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"Als ob sich Tore zur Hölle geöffnet hätten"

Von Susanne Schafer

Politik

Washington - Hauptmann Holly Pierce verspürte Lust auf Himbeereis und verließ deshalb kurz ihren Arbeitsplatz im Pentagon. Das rettete ihr das Leben. "Ich galt als vermisst, weil mein Büro zerstört war", sagt die 31-Jährige einen Tag nach dem Terroranschlag, bei dem sich ein Passagierflugzeug in einen Flügel des US-Verteidigungsministeriums bohrte und das Gebäude zum Einsturz brachte. Das Eis gab es im gegenüberliegenden Flügel, der unversehrt blieb.


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Nachdem sie die Explosion gehört hatte, rannte Pierce zu ihrem Kleinlaster. Sie lud etwa ein Dutzend Verletzte auf und fuhr sie in ein Krankenhaus nach Arlington. Stunden später, als sie endlich ihren Chef anrufen konnte, sagte der nur: "Mein Gott, Holly, ich dachte, du bist tot!"

Andere Pentagon-Beschäftigte berichten, der Explosionsdruck habe sie regelrecht von den Füßen oder vom Stuhl gerissen. Oberst Roy Wallace erzählt, die Fenster in seinem Büro seien geborsten. Der 46-Jährige und der 43-jährige Oberstleutnant Gerald Barrett zogen sich die T-Shirts aus und tränkten sie mit Wasser. "Wir hielten sie wie Masken vors Gesicht."

Der Zivilangestellte David Theall sprach am Telefon mit einer Bekannten über den Anschlag auf das WTC. "Sie scherzte noch, ,Das Pentagon kommt wahrscheinlich als nächstes dran, du solltest dich davonmachen' - da wurde es getroffen." Er wurde durch eine Mauer gedrückt. "Sie gab einfach nach, die Mauern zerkrümelten wie Papier. "Es war, als ob sich die Tore zur Hölle geöffnet hätten."