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Als Österreich nach Europa ging

Von Walter Hämmerle

Politik
Vranitzkys Devise: Nie mit Haider.
© © Robert Newald

Zum 75. Geburtstag von Alt-Kanzler Franz Vranitzky.


Wien. Wenn Franz Vranitzky heute, Donnerstag, seinen 75. Geburtstag feiert, könnte man fast glauben, das Rad der Zeit sei für die Sozialdemokratie stehen geblieben - nur dass der rote Kanzler nicht mehr Vranitzky, sondern Faymann, und der freche rechte Herausforderer nicht mehr Haider, sondern Strache heißt. Damals wie heute gibt die ÖVP den Juniorpartner und wechselt ihre Obleute wie andere ihre Hemden. Na ja, fast zumindest.

Die Unterschiede überwiegen aber doch. Die SPÖ hatte in der Ära Vranitzkys (1986 bis 97) die 40-Prozent-Marke im Visier, heute wäre sie froh, die 30er zu überspringen; und die damaligen Zustimmungsraten scheinen überhaupt aus einer anderen Welt. Es waren eben tatsächlich andere Zeiten. Obwohl: Die Sozialdemokraten hießen schon damals nicht mehr Sozialisten, dafür hatte Vranitzky selbst gesorgt.

Als er, 1937 in Wien geboren, Fred Sinowatz beerbte, war Österreich durch die Wahl Waldheims international isoliert. Der Kanzler war also grosso modo auch für die großen außenpolitischen Auftritte zuständig. Zuallererst aber beendete der ehemalige Länderbank-Chef und Finanzminister nach der Wahl Haiders zum FPÖ-Obmann die rot-blaue Koalition; was Haider fortan "Ausgrenzung" durch die SPÖ nennen sollte, war für Vranitzky blaue Selbstausgrenzung. Haiders Höhenflug hat diese Strategie aber nicht gestoppt.

Zu den großen Verdiensten Vranitzkys zählt das Eingeständnis der österreichischen Mitverantwortung für die Verbrechen des Nationalsozialismus 1991 sowie der EU-Beitritt 1995, von dessen Sinnhaftigkeit der überzeugte Europäer allerdings zuerst seine eigene Partei - wie zuvor schon bei der Teilprivatisierung der maroden Verstaatlichten - überreden musste.

Privat feierte Vranitzky heuer mit Ehefrau Christine Goldene Hochzeit. Die beiden haben zwei Kinder.