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Als Schulen zu Gefängnissen wurden

Von Heike Hausensteiner

Politik

Der "Aktionsradius Augarten" präsentiert am Dienstag "Kunst im Grünen Kreis". Das mehrteilige Projekt ist in Workshops mit dem Suchthilfeverein "Grüner Kreis" in der Buckligen Welt (NÖ) seit | Herbst 1997 entstanden.


Der Aktionsradius wurde 1992 in Wien Brigittenau als Kulturverein gegründet, die Stadtteilinitiative ist aber bereits seit zehn Jahren tätig. Treffpunkt ist ein ehemaliges Kaffeehaus am Gaußplatz.

Verbesserungsmaßnahmen, das Stadtviertel einfach lebendiger und kommunikativer zu gestalten und den Augarten kulturell wieder zu beleben · unter der aktiven Mithilfe der Bevölkerung ·, das war die

Motivation der Initiatoren. Maßgeblich an der Initiative beteiligt war das Architektenpaar Uschi und Dieter Schreiber. Einige Projekte wurden in Kooperation mit Schulen durchgeführt, weitere sind in

Planung.

Das Stammersdorfer Heizhaus im alten Bahnhof wurde so vor zwei Jahren revitalisiert und als Kunst- und Veranstaltungshalle adaptiert, berichtet Uschi Schreiber der "Wiener Zeitung". Im Augarten

selbst wurden auf Initiative des Aktionsradius von 1991 bis 1995 fünf Spielplätze errichtet. Mit angepackt hat dabei der Polytechnische Lehrgang Vorgartenstraße. "Kunst im Grünen Kreis" ist das

mehrteilige Ergebnis der therapeutischen Behandlung von Suchtkranken in Verbindung mit Kunst. Das Projekt besteht aus Bilderwänden, Skulpturen, einer Rave-CD und dem Trickfilm "der Weg ins Leben".

"Jüdische Brigittenau"

Im vergangenen Jahr hat eine Arbeitsgruppe das kreative Potential der von Nationalsozialisten aus dem Stadtteil vertriebenen Künstlern aufbereitet und in der Veranstaltungsreihe "Die verlorene

Insel" zur Schau gestellt. Bis 1938 war hier die Hälfte der Bevölkerung jüdischer Abstammung. Mit einigen von ihnen hat der Aktionsradius Kontakt aufgenommen. Nun soll das gesichtete Material in

einer dauerhaften Ausstellung gezeigt werden. Geplant ist eine zeitgeschichtliche Gedenkstätte im Bundesrealgymnasium (BRG) XX, Unterbergergasse/Karajangasse zum Thema "Als Schulen zu Gefängnissen

wurden". Der Keller der Schule wurde 1938 in ein Anhaltelager umfunktioniert · Bruno Kreisky, Fritz Grünbaum oder Henry A. Grunwald waren u. a. dort inhaftiert. Das Projekt basiert auf einer

gemeinsam mit der Schule 1988 realisierten Ausstellung.

Die mittlerweile renovierungsbedürftigen Ausstellungsräume werden nun thematisch erweitert, etwa um den Teil der "jüdischen Brigittenau". Kooperationspartner des Aktionsradius sind wieder das BRG XX

(zuständig für den Inhalt) und der Politechnische Lehrgang Vorgartenstraße (der großteils die bauliche Adaptierung übernimmt). Die Eröffnung soll am Gedenktag des 5. Mai 1999 erfolgen.

Das Programm des Aktionsradius kann unter Tel. 01/332 72 11 angefordert werden.