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Altehrwürdiges vernetztes Denken

Von Barbara Ottawa

Wissen

Alle Augen sind derzeit auf die Debatte über den neuen Organisationsplan gerichtet und wenn in dieser auch nun eine entscheidende Weichenstellung erfolgt ist, so ist sie noch lange nicht beendet (siehe untenstehender Artikel). Hinter den Kulissen geht unterdessen der "normale" Uni-Alltag weiter und auch dort wird an der Zukunft der Wiener Hochschule gefeilt. Etwa mit diversen online Lehr- und Forschungsprojekten. Für die technische Ausstattung sorgt dabei der Zentrale Informatikdienst (ZID). Leiter Peter Rastl erklärt im Gespräch mit der "Wiener Zeitung", was alles hinter einer Uni steckt.


Oktober 2010: Tausende Erstsemestrige haben sich online für das neue Studienjahr eingeschrieben. Im Laufe des Semesters besuchen sie diverse Vorlesungen oder sie laden sich die dazugehörigen Unterlagen über das Internet herunter und "chatten" mit Mitstudierenden über den Inhalt der Vorträge. Ein paar Monate später legen sie, so wie etliche weitere Studierende der Uni Wien, Prüfungen online ab.

Wenn man den ambitionierten Plänen des ZID-Leiters Rastl lauscht, könnte man sich die Zukunft der Uni Wien so vorstellen. Glaubwürdig werden die "Utopien" durch das was bisher bereits erreicht wurde.

Der Herr der Leitungen

Über 50.0000 Studierende nutzen derzeit ihren sogenannten Unet-Account. Damit erhalten sie eine E-mail-Adresse, aber auch Zugang zu diversen Standardsoftwareprogrammen und Datenbanken. Nutzbar ist dieses Angebot entweder von zu Hause oder auf knapp 1.000 Computern in PC-Räumen - verteilt über viele der ca. 100 Standorte der Uni Wien (dabei sind die medizinischen Institute noch mitgerechnet).

"Es besteht auf jeden Fall Erweiterungsbedarf, aber das ist primär eine Raumfrage", so Rastl. Die Wartung des Netzwerkes, das natürlich auch die tausenden Computer an den Instituten umfasst, obliegt ebenfalls dem ZID. So auch die Betreuung der Nutzer durch Tutoren und vor allem durch das Beratungszentrum.

Die Zukunft des Lernens

Unter Vizerektor Arthur Mettinger, zuständig für Lehre und Internationales, wurde verstärkt über die Einführung von computergestützter Lehre nachgedacht. Mettinger selbst betonte allerdings gegenüber der "Wiener Zeitung", dass die Uni Wien keinesfalls eine Fernuniversität werden solle.

"Es gibt verschiedenste Initiativen", bestätigt Rastl. Eine der Aufgaben des ZID ist die Schaffung einer zentralen Lernplattform, die den technischen und didaktischen Ansprüchen gerecht wird. "Für die Lehrenden muss es hier Anreize geben", betont Rastl, denn die Aufbereitung von Inhalten für online-Lernende sei eine umfangreiche Aufgabe.

Über den Sommer sollen zunächst etwa 100 Lehrveranstaltungen über eine zentrale Lernplattform zugänglich gemacht werden. "Ein Problem ist noch das Urheberrecht und der Datenschutz", schneidet Rastl ein heikles Thema an. Es sei noch nicht geklärt, inwieweit eine Vorlesung Eigentum der Universität oder des Lehrenden ist.

Das ZID als Schnittstelle

Die über 130 Mitarbeiter des ZID müssen sich um jede Datenleitung an der Uni Wien kümmern, so auch um die Telefonanlage mit etwa 10.000 Nebenstellen und die Uni-Verwaltung, also Erfassung der Studierenden, des Personals und bald auch die zentrale Verwaltung der Prüfungen und der Ergebnisse. "Bis 2005 sollte es eine Lösung geben", schätzt Rastl. Daneben betreut das ZID etwa auch das Wissenschaftsnetz ACONET und Vienna Internet Exchange (VIX). Besonders stolz ist Rastl, dass das Internet in Österreich 1990 an der Uni Wien seinen Ausgang genommen hat.

Eine gute Zukunft sieht er für die e-Initiativen an der Uni. Auch am Projektzentrum für Lehrentwicklung ist man über die gute Zusammenarbeit mit dem ZID sehr erfreut. "Es ist nicht selbstverständlich, dass sich Techniker so mit didaktischen Fragen auseinandersetzen", erläutert eine Sprecherin.

http://www.univie.ac.at/ZID