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Alter Visionär neu aufgelegt

Von Klaus Huhold

Europaarchiv

Schriften von Richard Coudenhove-Kalergi präsentiert. | Wien. Das Thema Richard Coudenhove-Kalergi bringt Otto Habsburg richtig ins Schwärmen: "Er war ein Prophet Europas." Coudenhove-Kalergi, der Vorgänger Habsburgs als Präsident der Paneuropa-Union, hatte 1922 die Idee eines europäischen Staatenbundes entwickelt. Ein Jahr darauf rief er die Paneuropa-Union, die älteste Einigungsbewegung Europas, ins Leben und stand dieser bis zu seinem Tode im Jahre 1972 vor.


Nun will der im Neuen Wissenschaftlichen Verlag erschienene Band "Richard Coudenhove-Kalergi: Ausgewählte Schriften zu Europa" das Werk des Europa-Vordenkers wieder einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen. Das Buch wurde gestern, Freitag, unter der Moderation des Chefredakteurs der "Wiener Zeitung", Andreas Unterberger, präsentiert.

Bei dieser Gelegenheit berichtete der 94-jährige Habsburg, dass Coudenhove-Kalergi ihn durch seine Vision zu einem überzeugten Europäer gemacht habe. "Er hatte immer Europa als Ganzes im Auge, und nicht kleinliche Nachbarschaftsstreitigkeiten", sagte Habsburg. Coudenhove habe im Gegensatz zu anderen Europa-Visionären auch Vorschläge für konkrete Strukturen des vereinten Europas entwickelt. Dabei könne sich die heutige EU den nur drei Seiten umfassenden Verfassungsentwurf Coudenhoves durchaus zum Vorbild nehmen.

Der Europarechtler Peter Fischer wies wiederum darauf hin, dass der geborene Graf die Grundstruktur der Europäischen Union vorweggenommen habe - etwa durch seinen Plan einer Zollunion.

Doch nicht nur in der Beschaffenheit der heutigen Union hat Coudenhove-Kalergi seine Spuren hinterlassen. So schlug er schon 1955 Beethovens Vertonung von Schillers Ode an die Freude als Europahymne vor.