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Ältere als Sorgenkinder

Von Simon Rosner

Politik

Die Nachrichten vom Arbeitsmarkt bleiben schlecht - Anzahl älterer Arbeitsloser seit 2010 um fast 60 Prozent gestiegen.


Wien. Ein erwartbarer Schrecken ist halt auch ein Schrecken, die Antizipation senkt höchstens den Grad der Schockiertheit. Seit Jahren beginnt jeder Monat mit grausamen Zahlen vom Arbeitsmarkt, und der Oktober bildet dabei keine Ausnahme. Die Arbeitslosenquote im September ist im Vergleich zum Vorjahr um rund 10 Prozent gestiegen, ähnlich wie im August und im Juli.

Bei ihrer Klausur hat die Regierung einige Maßnahmen beschlossen, die auch arbeitsmarktpolitische Effekte haben sollten. "Dennoch", sagt Sozialminister Rudolf Hundstorfer, "wird nicht zu verhindern sein, dass auch bei uns die Zahl der Arbeitslosen steigt." Angesichts schlechter Konjunkturdaten rechnen Wirtschaftsforscher bis ins Jahr 2015 hinein mit einem weiteren Anwachsen der Arbeitslosenquote.

Erneut deutlich über dem Durchschnitt liegt der Anstieg bei Älteren. Im September waren 73.654 über 50-Jährige arbeitslos oder in Schulungen, im September 2010 waren es noch 46.608. In diesen vier Jahren ist die Zahl der älteren Arbeitslosen also um 58 Prozent gestiegen.

Es ist eine Entwicklung, die mehrere Ursachen hat. Doch nur zum Teil bieten diese auch Ansatzpunkte für politische Gegenmaßnahmen. "Es kommt etwa auch zu einer demografischen Verschiebung", erklärt Wifo-Ökonomin Christine Mayrhuber. Durch geburtenstarke Kohorten gibt es nun deutlich mehr ältere Arbeitnehmer und also auch mehr Arbeitslose.

Begrenzte Möglichkeiten

Manfred Krenn von der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt nennt einen weiteren Grund, der nur schwer korrigierbar ist: die Zuschreibungen einer geringeren Leistungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer. "Hier müsste man in der Tiefe arbeiten, aber das ist schwierig", sagt er. Teilweise ändert sich zwar das Bild vom langsamen, teuren Arbeitnehmer jenseits der 50 Jahre, dennoch ist es nach wie vor nicht nur das Finanzielle, das Arbeitslose dieses Alters die Rückkehr in den Arbeitsmarkt schwer macht.

Österreich versucht, wie auch andere Staaten, zumindest beim Finanziellen anzusetzen. Für die kommenden drei Jahre stehen 370 Millionen Euro für geförderte Jobs bereit, bei denen das AMS ein paar Monate lang das Gehalt übernimmt. "Die jetzigen Daten zeigen, dass diese Förderungen nicht in der Lage sind, Unternehmen davon zu überzeugen, Ältere einzustellen", sagt Krenn. "Viel mehr kann die Politik aber nicht machen", ergänzt Mayrhuber. Die Einführung eines Bonus-Malus-Systems für Unternehmen, bei denen auch Strafzahlungen möglich sind, lehnt die Wirtschaft derzeit noch ab. Diesen Monat soll innerhalb der Sozialpartnerschaft ein erneuter Anlauf gestartet werden.

Einen weiteren Grund, weshalb die Arbeitslosenzahlen bei Älteren so deutlich steigen, nennt Helmut Hofer vom IHS. "Man hat diese Arbeitslosen früher versteckt", sagt er. Der Zugang zu Früh- und Invaliditätspension wurde erschwert, weshalb sich diese Personen nun in der Arbeitslosenstatistik wiederfinden. "Das kann man aber auch positiv sehen", sagt Hofer. "Wenn die Konjunktur wieder anzieht, haben wir diese Menschen auf dem Arbeitsmarkt und nicht in der Pension." Und Hofer sieht noch einen arbeitsmarktpolitischen Vorteil eines höheren Pensionsantrittsalters: "Wenn man länger im Beruf ist, sind Investitionen in Humankapital länger sinnvoll."