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Ältere ArbeitnehmerInnen als Kapital für ein Unternehmen

Von Klaus Faißner

Wirtschaft

Hans Krankl verglich sich einmal im letzten Teil seiner Fußballerkarriere mit dem Wein: Je älter er werde, desto besser. Nun beginnen zusehends auch Industriebetriebe, sich des Wertes älterer Arbeitnehmer bewusst zu werden.


Der Arbeitsmarkt befindet sich in einem Dilemma: Einerseits nimmt der Anteil der älteren Arbeitnehmer - bedingt durch die Bevölkerungsentwicklung in Österreich - beständig zu. Andererseits wurden die Schwierigkeiten für diese Personen zusehends größer: Die Zahl der arbeitslosen über 50-jährigen hat sich innerhalb weniger Jahre auf rund 50.000 verdoppelt. Die Altersobergrenzen bei Stellenannoncen wurden tendenziell herabgesetzt, und manche Unternehmen (insbesondere in der "New Economy") rühmten sich sogar öffentlich, besonders "jung" zu sein. Alter wurde vielfach mit Kranksein und schwindender Leistung gleichgesetzt, was mit zur in Österreich sehr verbreiteten - aber bald nicht mehr möglichen - Praxis der Frühpensionierung führte. Ganz gegen den Trend beginnen jedoch Betriebe, gezielt auf die Bedürfnisse älterer Arbeitnehmer einzugehen: Vorreiter ist die voestalpine, die vor wenigen Wochen mit "Life" ein Programm startete, das generell das Unternehmen für alle Generationen attraktiver machen soll.

Altersgrenzen aufgehoben

So wurden die Altersgrenzen sowohl in der internen Karriereplanung als auch für Bewerber bei externen Stellenausschreibungen weitestgehend aufgehoben. Sofern die Qualifikation den Anforderungen entspricht, soll "künftig niemand mehr zu alt für eine neue berufliche Herausforderung sein", heißt das neue Credo. Auch bei der Weiterbildung wird es keine Altersbeschränkung mehr geben. Bei neuen Anlagen sollen gesundheitliche und ergonomische Kriterien einfließen, und es wird versucht, die für ältere Menschen besonders belastende Nachtschichtarbeit zu verringern. "Wir wollen das durchschnittliche Pensionsantrittsalter um eineinhalb bis zwei Jahre hinauszögern", nennt voestalpine-Pressesprecher Stefan Halvax ein Ziel dieses Programms.

Aber es gehe nicht nur darum, auf die demografische Entwicklung zu reagieren, sondern auch darum, den reichen Erfahrungsschatz der "Alten" besser zu nutzen. "Life" richtet sich an Mitarbeiter aller Qualifikationen, wobei besonders die drohenden Engpässe bei Facharbeitern vermindert werden sollen. Der Facharbeitermangel werde alle Industrieunternehmen treffen - auch jene, die nicht so stark expandieren wie die voestalpine, meint Halvax. Tatsächlich beschäftigen sich schon mehrere weitere Unternehmen wie Sappi, Neusiedler, Chemie Linz oder Polyfelt mit der Generationenproblematik.

"Ältere Industriearbeiter haben ein besonderes ,G´spür' für die Maschinen", berichtet Irene Kloimüller, Mitbegründerin und Geschäftsführerin des Institutes für betriebliche Gesundheitsförderung (IBG), das die voestalpine beim "Life"-Programm beraten hat. Papierunternehmen stellten weiters fest, dass bei jungen Arbeitsgruppen zwar die Arbeitsbewältigung sehr hoch war, aber - zum Leidwesen der Firmen - die Fluktuation ebenso. "Die Kompaktheit eines Betriebes ist von der Generationenbalance abhängig", fasst Kloimüller zusammen. Die Gesundheit eines Arbeitnehmers hänge sehr stark davon ab, ob er "kann, will und darf".

Austausch von Know-how

Um die Arbeitswelt für die "Generation 45+" zu öffnen, müssten schwere körperliche Aufgaben zugunsten geistiger Herausforderungen und der sozialen Einbeziehung verringert werden. Ansonsten sei die Gefahr der "geistigen Kündigung" (wenn der Arbeitnehmer innerlich mit dem Unternehmen bereits abgeschlossen hat) hoch.

"Die Mitgestaltung ist für ältere Beschäftigte besonders wichtig." Eine in den 90er Jahren durchgeführte finnische Studie ermittelte drei Hauptfaktoren, die zu einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit führten: Eine bessere Einstellung der Vorgesetzten gegenüber älteren Mitarbeitern, Verringerung einseitiger, monotoner Bewegungen am Arbeitsplatz sowie verstärkte körperliche Aktivität in der Freizeit. Außerdem gibt es in fast allen Unternehmen Vorbilder für Leistungsfähigkeit im höheren Alter - nämlich Führungskräfte und Manager.

"Unternehmen suchen weniger junge Arbeitskräfte als topaktuelles Know-how", zeigt AMS-Pressesprecherin Beate Sprenger einen Aspekt auf, der oft gegen ältere Arbeitnehmer spricht. Auch hier hat die voestalpine mit einem "Huckepack-Modell" einen Lösungsansatz entwickelt, von dem Jung, Alt und das Unternehmen profitieren: Erfahrene Mitarbeiter lernen Neulinge an, und Junge geben ihren älteren Kollegen "Nachhilfe" am Computer.