Zum Hauptinhalt springen

Altersdiabetes mit 15

Von Petra Tempfer

Wissen

Acht Prozent der Jugendlichen bereits Risikopatienten. | Dreimal so viele fettleibige Schüler wie vor 15 Jahren. | Wien. Der häufig als "Alterszucker" verharmloste Diabetes mellitus Typ 2 hat diese Bezeichnung längst nicht mehr verdient. Hat doch eine Studie der Fachhochschule (FH) St. Pölten ergeben, dass die Zahl der typischen Risikofaktoren für Altersdiabetes bei Jugendlichen drastisch steigt. Künftig werden nicht mehr nur Über-50-Jährige, sondern gleichermaßen 15-Jährige vom "Alterszucker" betroffen sein.


Die Ergebnisse basieren auf einem fünfjährigen Projekt, im Zuge dessen das Institut für Gesundheitswissenschaften an der FH gemeinsam mit Partnerschulen hunderte Berufsschüler über 15 im Raum St. Pölten untersucht hat. Dazu wurde eine spezielle Methodik zur Diabetes-Früherkennung entwickelt. "Ausgehend von Größe, Gewicht, Bauchfalte, Taillenumfang, Blutzuckergehalt und erblicher Vorbelastung wurde bei acht Prozent der Schüler Fettleibigkeit und ein erhöhtes Risiko für Altersdiabetes diagnostiziert", erklärt Projektmitarbeiterin Gabriele Karner der "Wiener Zeitung" - was bedeutet, dass dreimal so viele Schüler wie vor 15 Jahren übergewichtig und Risikopatienten sind.

Denn im Unterschied zu Diabetes Typ 1, bei dem die Insulin bildenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse durch Antikörper zerstört werden, stellt beim Typ 2 der Körper die Insulinproduktion einfach ein. Und zwar nach Jahren der Überbelastung durch einen erhöhten Blutzuckerspiegel, der durch vermehrte Insulinbildung abgebaut wird.

"Böser Teufelskreis"

In Österreich sind derzeit rund 550.000 Menschen an Diabetes mellitus erkrankt, 500.000 davon an Typ 2. Dass immer mehr Jugendliche zur Risikogruppe zählen, erklärt Birgit Rami von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Wien mit deren verändertem Lebensstil: "Mangelhafte Bewegung führt in Kombination mit zu viel, zu süßem und zu fettem Essen zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel."

"Es ist ein böser Teufelskreis", fügt die Gesundheitspsychologin Silvia Rauhofer hinzu, "weil dicke Kinder, die dem heutigen Schönheitsideal nicht entsprechen, von ihren Mitschülern gemobbt werden und daher weiter essen." Übermäßiges Essen habe oft auch familiäre Gründe - vor allem Scheidungskinder seien davon betroffen.

"Manche Schul-Buffets machen es den Kindern ja extrem leicht, sich falsch zu ernähren. Hier müsste man gesundheitspolitisch durchgreifen", fügt Rami kritisch hinzu. "Der Nationale Aktionsplan Gesundheit verfolgt genau dieses Ziel, das Ernährungsverhalten in Österreich zu verbessern", kontert Sigrid Rosenberger, Sprecherin von Gesundheitsminister Alois Stöger. Ein wesentlicher Punkt darin sei, dass in Schulen ein gesundes Mittagessen angeboten wird und dieses beim Schul-Ranking hoch bewertet wird. Zusätzlich würden Informationsbroschüren - auch über das Altersdiabetes-Risiko - ausgelegt.