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Altruismus und Achselhaare

Von Christina Böck

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Es ist wieder einer dieser Tage. Einer dieser Tage, an denen sich Madonna gedacht hat: Moment, vergessen die Leute eh nicht, dass es mich auch noch gibt? Na warte, da jag’ ich ein provokantes Foto durchs Netz, damit sie sich erinnern. Und was ist provokant, in Zeiten von Ukraine-Krise und so: genau, Körperbehaarung. Folglich stellte sie ein Foto auf den Bilderteildienst Instagram, auf dem sie leidlich wucherndes Achselhaar zeigt. Dazu schrieb sie den übersichtlichen Vers: "Long hair . . . don’t care!" Das Bild scheint, als wäre es ein Aufruf, dass Frauen ihren Körper in jeder Verfassung lieben sollen. "Dove"-Werbung für Superstars mit Epilationsschwäche. Die 55-Jährige zeigt sich in knappestem BH, mit bis zum Anschlag hochgepushtem Dekolleté. Damit will Madonna vielleicht das Bild der immer nackteren Popfrauen mit ihren perfekten Körpern ironisch brechen. Andererseits, es ist Madonna. Ironie war noch nie ihre Stärke. Also: Es ist wahrscheinlich einfach nur wieder einer dieser Tage.

Dass man mit dem sozialen Netzwerk Instagram tatsächlich etwas bewirken kann, das zeigt das Konto von GrandmaBetty33. Der Enkel einer 80-jährigen Krebspatientin hat es erstellt, um diese seine Grandma Betty durch die Chemo zu begleiten. Und zu zeigen, dass man auch in dem Alter todkrank den Lebenswillen nicht verlieren muss. Wie Grandma Betty zum Hitsong "Happy" wippt, ist so viel tröstlicher als Madonnas Achselhaar-Egozentrik. Altruistisch wäre, wenn Madonna ihren Millionen Fans empfehlen würde, Betty zu folgen. Die freut sich nämlich noch wirklich über jeden Neuen auf der Liste.