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Altwagen landeten bisher in Afrika

Von Claudia Peintner

Wirtschaft

Afrikaner leiden, weil alte Autos jetzt verschrottet statt exportiert werden. | Betrug: Altwagen in Osteuropa kaufen, Prämie kassieren. | Wien. Von wegen Schrottpresse. Jede Menge Autos, die in Europa die Pickerl-Prüfung kaum noch bestehen, verbringen ihren Lebensabend in afrikanischen Entwicklungsländern.


Allein vom Hamburger Hafen wurden bisher jede Woche 7000 Altwagen ins Ausland verschifft. Besonders beliebte Exportmarken sind Mercedes, aber auch Renault und Peugeot, berichtet Ansgar Klein vom deutschen Bundesverband freier Kfz-Händler.

Ein Zulassungsschein reichte aus, um sie über die Grenzen zu bringen und für 2000 Euro an Einheimische zu verkaufen. Die Exportautos prägen dann als Taxis und Familienkarrossen das Stadtbild von Senegal, Marokko oder Nigeria. Bei manchen fehlen die Türgriffe, die Fensterscheiben sind zersplittert. Auf dem Rückspiegel kleben abgewetzte Werbelogos deutscher Firmen. "Die Mehrheit der Afrikaner ist auf die Importautos angewiesen", sagt Klein, "einen Neuwagen können sie sich nicht leisten".

Markt ist bald leergefegt

Wegen der Verschrottungsprämie droht das Geschäft plötzlich einzubrechen: So zahlt der deutsche Staat 2500 Euro für jeden Neuwagen, wenn dafür ein mindestens neun Jahre altes Auto verschrottet wird. Dabei handelt es sich um fahrtüchtige Autos, die ansonsten von Entwicklungsländern aufgekauft werden.

Viele afrikanische Autohändler klagen bereits, dass der Altwagenmarkt bald leergefegt sein werde. Man sieht sich gezwungen, auf japanische und US-Großwagen zurückzugreifen - aus Gegenden, wo vorerst keine Verschrottungsanreize geboten werden.

Die Abwrackprämie ruft in Deutschland indes die ersten Betrüger hervor: Im Bremer und Hamburger Hafen stellte die Polizei mehrere Gebrauchtwagen sicher, die trotz beantragter Schrottprämie nach Afrika verschifft werden hätten sollen. Die Schrotthändler wollten doppelt kassieren - für die Verschrottung und den Verkauf.

Es wird zudem befürchtet, dass Autoschieberbanden alte Fahrzeuge mit gefälschten Papieren aus Osteuropa einschleusen, um die Prämie zu kassieren.

Schwindel lohnt sich nicht

In Österreich sieht man sich vor der Betrugsgefahr gut gewappnet: Nur wer einen Verschrottungsnachweis erbringe, bekomme die Prämie vom Staat, heißt es von der Kfz-Bundesinnung. Zudem müsse das Auto zumindest ein Jahr auf den Antragsteller zugelassen sein. Fälschungen seien in Österreich auch weniger reizvoll, weil die Prämie um 1000 Euro niedriger sei als in Deutschland.