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Aluminium-Nachfrage steigt - die Umweltbelastung auch

Von Georg Friesenbichler

Analysen

Warum Sängerin Björk in Island gegen Aluminiumkonzern mobilmacht. | New York/Wien. Luftfahrt- und Autoindustrie sowie aufstrebene Schwellenländer wie China und Brasilien sind dafür verantwortlich, dass Klaus Kleinfeld "leicht optimistisch" ist. Der deutsche Ex-Siemens-Manager leitet den US-Aluminiumriesen Alcoa, und die Unternehmensdaten, die von einer anziehenden Nachfrage sprechen, lassen auch auf eine Erholung der US-Wirtschaft hoffen. Zu schaffen machten Alcoa im dritten Quartal allerdings sinkende Aluminiumpreise und der schwächere Dollar, der Nettogewinn fiel auf 61 Millionen Dollar.


Alcoa ist der zweitgrößte Aluminiumhersteller nach dem russischen Weltmarktführer Rusal und vor dem kanadischen Rio-Tinto-Alcan-Konzern. Seine Bandbreite zeigt recht gut, wofür das leichte und doch zähe Metall Verwendung findet: Flugzeug- und Automobilindustrie, Verpackung, Baugewerbe und Transportwesen. Alcoa hält die Mehrheit am australischen Unternehmen Awac, das unter anderem Bauxit abbaut, aus dem Aluminium gewonnen wird. In Australien wird (vor China und Brasilien) am meisten Bauxit gefördert.

Ungarn ist verglichen mit den in Australien geförderten 65 Millionen Tonnen ein kleiner Fisch, zählt aber mit 546.000 Tonnen dennoch zu den größten Förderländern in Europa. Nun zeigt unser Nachbarland anschaulich, welche Umweltgefahren mit dem Bauxitabbau verbunden sind.

Sorgen in Vietnam,Baustopp in Indien

Die Beseitigung der Abfälle macht nach heftigen Einwänden von Wissenschaftern und Politikern auch der Regierung Vietnams Sorgen. Dort soll mit China als Partner der Bauxitabbau vorangetrieben werden. Aber die Bedenken betreffen nicht nur den Giftschlamm. Weil der Tagbau große Flächen erfordert, müssen Wälder gerodet und Felder zerstört werden.

Was die Gegner in Vietnam erhoffen, ist in Indien schon eingetreten. Dort wurde ein Bauxit-Bergbauprojekt in einem von Ureinwohnern bewohnten Gebiet gestoppt. Im ostindischen Bundesstaat Orissa sollte das Projekt des britischen Konzerns Vedanta eine bestehende Aluminiumhütte samt zugehörigem Kohlekraftwerk ergänzen. Schon diese Anlage schädigt die Menschen: Qualm verpestet die Luft, toxische Stoffe gelangen ins Wasser.

Das verweist darauf, dass nicht nur Bauxit das Aluminium zum ökologischen Problemstoff macht. Allein für die Elektrolyse, die zum Gewinn einer Tonne Aluminiums nötig ist, werden 14.000 Kilowattstunden elektrischer Energie benötigt. Daher entstehen Aluminiumschmelzanlagen meist in Gegenden, wo billige Wasserkraft zur Verfügung steht. Ein solcher Standort ist Island - Rio Tinto Alcan, Alcoa und ein weiterer US-Konzern haben derzeit Anlagen. Alcoa baut eine weitere, und Rio Tinto will ausbauen. Dafür sollen laut jüngsten Verträgen neue Kraftwerke entstehen. Umweltschützer, unter ihnen die Sängerin Björk, steigen auf die Barrikaden, weil sie die Zerstörung der ökologisch und landschaftlich interessantesten Flusslandschaften fürchten.