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Am Ende droht allen eine Schlappe

Von Walter Hämmerle

Politik

SPÖ: Machtkampf mit Klagenfurter Stadtpartei schwächt Schaunigs Autorität. | Affäre bedroht Wahlchancen 2009. | Wien/Klagenfurt. Beide haben dasselbe Ziel, nämlich die guten alten Zeiten wiederauferstehen zu lassen: Sie will für die SPÖ den Landeshauptmannsessel zurückerobern; selbiges plant er mit dem Bürgermeisterstuhl der Landeshauptstadt. Die Rede ist von Gaby Schaunig (42) und Ewald Wiedenbauer (59) - Kärntner SPÖ-Landesparteivorsitzende die eine, roter Stadtparteichef in Klagenfurt der andere. Doch statt gemeinsam gegen die politischen Gegner zu marschieren, investieren die beiden ihre Energien in eine interne Schlammschlacht.


Das ist zwar verständlich - immerhin geht es um das politische Überleben Wiedenbauers, bei Schaunig steht die parteiinterne Autorität auf dem Spiel -, doch droht ein Ende, das auf SPÖ-Seite nur Verlierer kennt.

In der Sache dreht sich der Streit um die Person Wiedenbauer: Für die Landesparteichefin ist er politisch nicht mehr tragbar. Bei Wiedenbauers Wahl zum Bezirksobmann im Mai gab es nämlich Ungereimtheiten, der Verdacht der Wahlmanipulation steht im Raum. Ein Schiedsgericht erklärte die Wahl schließlich für ungültig. Noch vor diesem Spruch jedoch hatte Wiedenbauer die Wahl wiederholen lasen. Mehr als 61 Prozent konnte er jedoch nicht mehr hinter sich versammeln.

Spätestens seitdem erhöht Schaunig sukzessive den Druck auf Wiedenbauer, Konsequenzen aus der Wahl-Affäre zu ziehen. Zuletzt drohte sie ihm gar mit der Absetzung am Landesparteitag im Oktober. Prompt stellten sich zehn Sektionen der SPÖ-Klagenfurt hinter ihren angeschlagenen Parteichef - und widersprachen öffentlich ihrer eigenen Landesobfrau.

Wenn es nicht wahr wäre, könnte man glauben, die Geschichte entspringe dem Drehbuch eines orangen Spin Doktors. Schließlich steigen die Chancen Jörg Haiders, bei den kommenden Landtagswahlen noch einmal zum Landeshauptmann gewählt zu werden, mit jedem Streit in der Kärntner SPÖ.

Landtagswahlen sind stets indirekte Landeshauptmannwahlen: Gewählt wird, wem die Leute am ehesten zutrauen, das Land zu führen. Grundvoraussetzung dafür ist, die eigene Partei auf Linie zu bringen. Bei Haider besteht hier kein Zweifel - notfalls schließt er Kritiker einfach aus und gründet gleich eine neue Partei. Schaunig hat in diesem Bereich noch Potenzial nach oben, wird sie doch laufend von den eigenen Parteifreunden desavouiert. Erst von der Bundespartei in der Ortstafelfrage, in der sie sich auf plus/minus 141 zweisprachige Ortstafeln festlegte, Bundeskanzler Alfred Gusenbauer in seinen Kompromissvorschlag jedoch 163 aufnahm.

Und nun eben Wiedenbauer. Dieser sieht sich von Schaunig um seine sicher letzte Chance gebracht, 2009 doch noch Klagenfurter Bürgermeister zu werden. 2003 unterlag er in der Direktwahl dem ÖVP-Amtsinhaber Harald Scheucher um lächerliche 717 Stimmen.

Tatsächlich sind die Würfel ohnehin längst gefallen: Wiedenbauers Karriere ist Vergangenheit - Schaunig hat sich bereits zu weit hinausgelehnt, als dass sie sich einen Rückzieher leisten könnte. Die Frage ist nur, ob der Klagenfurter seine Chefin gleich mit in den Abgrund zieht.