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Am Ende konnte selbst Arafat lächeln

Von Dave McIntyre

Politik

Sharm el Sheikh - Am Ende der Konferenz von Sharm el Sheikh konnte selbst Yasser Arafat lächeln. Nach nahezu 25-stündigen Verhandlungen in eisiger, ja feindseliger Atmosphäre hellte sich der Blick des zuvor düster dreinblickenden Palästinenser-Präsidenten für einen ganz kurzen Augenblick auf. Selbst die bis dahin eingefrorenen Gesichtszüge des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak schienen entkrampft, als US-Präsident Bill Clinton vor der internationalen Presse die "Einigung" zwischen beiden Konfliktseiten verkündete.


Mehr als 24 Stunden waren die beiden Gegenspieler und ihre Unterhändler alles andere als zimperlich miteinander umgegangen. Zeitweilig schrien sich israelische und palästinensische Politiker über den Verhandlungstisch regelrecht an. "Die Atmosphäre war eisig und die Köpfe hitzig", beschrieb es ein israelischer Korrespondent.

Israels Delegation fühlte sich von Beginn an auf die Anklagebank versetzt. Während die Flaggen aller beteiligten Nationen im heißen Wüstenwind von Sharm el Sheikh flatterten, fehlte ihre weiß-blaue Flagge mit dem David-Stern an den vielen Fahnenmasten in dem Urlaubsort am Roten Meer. Und als der Gastgeber, Ägyptens Präsident Hosni Mubarak, die Konferenz eröffnete, brandmarkte er sogleich die israelischen Armee-Aktionen als "Aggression gegen die Schwachen". Dies hielt Mubarak und den jordanischen König Abdullah II. aber offenbar nicht davon ab, Arafat im Verlauf stundenlanger Gespräche massiv unter Druck zu setzen, von seinen Maximal-Forderungen abzugehen.

Nur wenig drang während des Krisengipfels von dem nach außen, was hinter verschlossenen Türen verhandelt wurde. Clinton, Mubarak und Abdullah pendelten zwischen Arafat und Barak. Immer wieder teilten Sprecher beider Seiten mit, dass diese auf ihren Forderungen beharrten. Israel wollte ein Ende der Gewalt vor einem Truppenabzug, Arafat einen Truppenabzug vor dem Ende der Gewalt.

Arafat bestand auf einer internationalen Kommission zur Untersuchung der Hintergründe der Ausschreitungen, Israels Außenminister Shlomo Ben Ami lehnte ab; "Kein unabhängiger Staat könnte dies akzeptieren", meinte er.

Mit der Dauer der Verhandlungen schienen selbst die zahlreichen israelischen Sprecher verwirrt, die Barak mitgenommen hatte, um die Weltpresse über Israels Positionen zu informieren. Während Baraks Stabschef Dany Yatom am frühen Dienstagmorgen prophezeite, die Konferenz werde "zusammenbrechen", sagte Israels Chefunterhändler, der Barak-Anwalt Gilad Sher, eine Einigung voraus.

"Das einzige Flexible an diesem Treffen ist der Zeitplan Clintons", meinte der israelische Journalist Oded Granot wenige Stunden vor der Einigung. Am Ende aber konnte Clinton dann ein positives Ergebnis verkünden. Die politische Katastrophe, die ein Scheitern des Gipfels bedeutet hätte, war noch einmal vermieden.