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Am Ende zählt nur der Erfolg

Von Stefan Beig

Politik
Jubel in Peking: Mirna Jukic holte als erste österreichische Schwimmerin eine Olympiamedaille.
© © Hans Klaus Techt

Turniere, Workshops und Angebote für Frauen fördern die Integration.


Wien. Mit dreizehneinhalb Jahren kam Mirna Jukic von Zagreb nach Wien - und konnte kein Wort Deutsch. "In der Schule wurde ich wegen meiner Fall-Fehler gehänselt", erzählte sie am Montag im Haus des Sports. Wenn sie zum Schwimmtraining kam, waren ihre Deutschkenntnisse hingegen kein Thema: "Beim Sport war das nicht so tragisch, hier habe ich mich freier gefühlt. Ich habe dort keinen Unterschied gespürt." Jukic war mittlerweile zwei Mal österreichische Sportlerin des Jahres, hat bei der Schwimm-WM in Rom und in Monetreal sowie bei den Olympischen Spielen in Peking je eine Bronzemedaille geholt und bei Europameisterschaften mehrmals Gold und Silber "erschwommen".

Ihre Anfangszeit in Österreich war nicht immer problemlos, auch Fans konnte es stören, wenn wer von woanders kam. "Aber auf dem Sportplatz bist du einer von vielen", meinte sie. "Der Erfolg zählt, egal wo du herkommst." Auch für die österreichische Europameisterin im Tischtennis Liu Jia war der Sport beim Einleben in Österreich wichtig. "Ich kam mit 15 Jahren her. In China hatte ich keine Chance, aber hier wurde ich individuell gefördert."

Jukic und Jia waren am Montag unter den Gästen, die zur Verleihung des Integrationspreises Sport 2011 geladen waren. "Im Sport zählt nur die Leistung", unterstrich auch Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz, der den Preis gemeinsam mit Sportminister Norbert Darabos überreichte. Beide betonten, dass dies nicht nur für den Spitzensport, sondern genauso für den Breitensport gelte. An Vereine und Privatinitiativen, die das Zusammenleben im Alltag fördern, ging am Montag auch der Sportintegrationspreis, der heuer zum bereits vierten Mal vergeben wurde.

19 Preisträger wurden für besonders nachhaltige und innovative Projekte ausgezeichnet, zwei heimsten den mit 3000 Euro dotierten Hauptpreis ein. United Nations Alianza Latina überzeugte die Jury mit der Durchführung des ersten Integrations-Cups in Wien. Einmal monatlich finden dort Wettkämpfe in verschiedenen Disziplinen wie Fußball, Volleyball, Staffellauf, Hip Hop, Zumba oder Basketball statt. Voraussetzung für die Teilnahme: Mindestens die Hälfte des Teams muss Migrationshintergrund haben.

Ungestört von Männern

Gegründet wurde Alianza Latina im Jahr 2004 und bestand damals noch vorwiegend aus Lateinamerikanern. "Dem Verein ging es von Anfang an um Integration", erzählt Agapilais Ginalis, die Projektleiterin des Integrations-Cups, der "Wiener Zeitung". "Gerade für viele Zuwanderer aus Lateinamerika ist Fußball besonders wichtig." Mittlerweile stammen die Kicker des Vereins aus 19 verschiedenen Staaten. 2009 schaffte es Alianza Latina in die erste Klasse der Wiener Liga. Als Non-Profit-Sportclub, der Integration fördert, hat ihn auch die UNO anerkannt.

Der zweite Hauptpreis ging an den in diesem Jahr gegründeten Verein Rosa Sport und Wellness, der auch dem Sportverband Askö Wien angehört. Er bietet Frauen die Möglichkeit, sich abseits von Männern sportlich zu betätigen - etwa in eigens gemieteten Turnsälen, Vereinen, Wohnungen oder auch Kindergärten, nach dem Ende der Arbeit. Bis jetzt sind alle beteiligten Frauen Musliminnen. Marietta Wanner, eine der Trainerinnen, glaubt aber, dass auch viele andere Österreicherinnen an dem Angebot Interesse haben könnten.

Das wöchentliche Programm reicht von Nordic Walking und Rückengymnastik bis zu Kickbox-Aerobic. Während der Turneinheiten haben die überwiegend türkisch-, arabisch und bosnischstämmigen Frauen die Möglichkeit, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Auf Kinderspielplätzen und in Parkanlagen werden auch Hausfrauen angesprochen, um sie für das Sportprogramm zu begeistern.

"Unser Angebot ist einzigartig in Wien", berichtet Wanner. "Nirgendwo sonst können Frauen, ungestört von Männern sportlich aktiv sein." Von Anfang an unterstützt Askö Wien das Projekt. "Viele unserer insgesamt 700 Vereine führen Integrationsprojekte durch", erzählt Yasemin Sencalis von Askö.

Der zweite Preis ging an sieben weitere Projekte aus ganz Österreich, etwa an die International Allstar League Graz, die vom Friedensbüro Graz, der Caritas und dem Jugendzentrum Don Bosco initiiert wurde. Acht Teams aus ganz Graz nehmen an ihr teil. Neben gemeinsamen Fußballturnieren besuchen sie auch Workshops zu Gewalt. Punkte sammeln die Mannschaften nicht nur über ihre Siege, sondern auch durch ein besonders faires Spiel, das eigens bewertet wird.

Am meisten Punkte sammelte der Verein Synamo Laudon, der neben Einheimischen auch aus Jugendlichen afghanischer, tschetschenischer, albanischer oder bosnischer Herkunft besteht, die alle in derselben Wohnsiedlung beheimatet sind. Gerade an Jugendliche aus benachteiligten Wohngegenden wendet sich das Angebot. "Zusammenhalt ist bei uns das Thema, nicht Integration", berichtet Thomas Jänger von der Caritas.

Gesponsert wird der Integrationspreis von der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien und von Coca Cola. Darabos betonte: "Sport leistet in unserer Gesellschaft auch einen wichtigen Beitrag zur Integration sozial benachteiligter Gruppen. In Österreich gibt es eine lange Tradition, Sport allen, auch sozial Schwachen, zugänglich zu machen."