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Am Machthebel der Stadtmedien

Von Christian Rösner

Politik
Aus der Bartensteingasse 13 ist das Medienzentrum der Stadt Wien geworden.
© Andreas Urban

Von der Umstrukturierung waren fast alle Mitarbeiter der MA 53 betroffen.


Wien. Vor genau einem Jahr hat Oliver Stribl (38) Fred Vavrousek (62) als Chef des Presse- und Informationsdienstes der Stadt Wien (PID) abgelöst: Ein wichtiger Posten innerhalb der Stadtverwaltung, regelt er doch die gesamte Kommunikation und Werbung sowohl nach innen als auch nach außen. In einem Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erzählt der neue PID-Chef über seine Abteilung, die strukturellen Maßnahmen, die er eingeleitet hat, und welche Herausforderungen die kommenden Jahre in seinem Bereich bringen werden.

"Wiener Zeitung": Herr Stribl, aus den Negativschlagzeilen kennt man den PID nur als jene "mächtige" Abteilung der Stadt, die in den Medien um 80 Millionen Euro im Jahr Inserate schaltet, um sich damit eine positive Berichterstattung zu erkaufen. Was ist wahr an dieser Behauptung?Oliver Stribl: Diese Zahlenspielereien werden bald auf zwei Ebenen aufgelöst: Zum einen durch das Transparenzgesetz - allerdings betrifft das heuer nur zwei Quartale, die man aufgrund der unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen nicht auf ein Jahr hochrechnen kann. 2013 wird man dann einen vollen Überblick darüber haben, wie nahe oder fern die kolportierten Zahlen der Wirklichkeit entsprechen.

Und was ist die zweite Ebene?

Am 20. Dezember bin ich im Kontrollausschuss, weil die FPÖ einen Prüfantrag für die Gebahrung der Inserate aus den Jahren 2009/2010 eingebracht hat. Da diese Prüfung die ganze Stadt mit allen Unternehmungen betrifft, werden die Zahlen der besagten Jahre auch vom Kontrollamt veröffentlicht. Und dann wird man sehen, was wirklich hinter den kolportierten 80 Millionen Euro pro Jahr steckt.

Ist es mehr oder weniger?

Das wird man sehen, wenn die Zahlen veröffentlicht sind.

Sie haben den PID einer Struktur- und Organisationsreform unterzogen - was ist neu?

Aufgrund der extremen Dynamik in der Kommunikationsbranche, die wir erlebt haben und noch weiter erleben werden, war es notwendig, die Strukturen entsprechend anzupassen. Diese Dinge wurden zwar immer berücksichtigt und eingebunden, aber nicht zur Voraussetzung für eine Weiterentwicklung gemacht. Mein Auftrag vonseiten des Bürgermeisters und des Magistratsdirektors lautet, den PID in diese Richtung zukunftsfit zu machen.

Was ist konkret geschehen?

Wir haben zum Beispiel die Tagesaktualität verstärkt, wobei die redaktionelle Bespielung neuer Kommunikationskanäle im Web stark berücksichtigt wurde. Dementsprechend wurde das redaktionelle Know-how gebündelt, anstatt es wie bisher rund um die einzelnen Produkte zu konzentrieren. Das ermöglicht einen gemeinsamen Wissensstand über alle Bereiche, ein schnelleres Agieren und lässt viele neue Ideen entstehen. Denn durch’s Reden kommen bekanntlich die Leut’ zam.

Gab es räumliche Veränderungen?

Vorher waren die Redakteure auf das Rathaus und die Bartensteingasse verteilt. Jetzt sind alle in der Bartensteingasse 13 zusammengefasst, können sich täglich sehen und zusammenarbeiten.

Sind alle zufrieden damit?

Man kann es nie allen recht machen, aber jeder kann mitreden und die Menschen haben sich alle so aktiv eingebracht, dass ich das als positives Zeichen deute.

Woran erkennen die Wiener, dass der PID auf neue Beine gestellt wurde?

Unmittelbar noch nicht, schließlich geht es um die Gesamtstrategie der Öffentlichkeitsarbeit, deren Umsetzung erst beginnt. Wir haben die Vorbereitungen dafür getroffen.

Wann beginnt die Umsetzung?

Die Öffentlichkeitsarbeit wurde 2006 in einer Ausschreibung inhaltlich definiert - Stichwort Medien-Fullservice-Vertrag mit dem Bohmann-Verlag. Der Vertrag läuft noch bis Ende 2013, dann kommt es zu einer Neuausschreibung, wo dann der Bedarf für die nächsten Jahre formuliert wird. Ab da wird in der Außenwahrnehmung auch die Veränderung zu erkennen sein.

Was sind die Herausforderungen für die Zukunft?

Wenn man sich international Modelle innovativer und erfolgreicher nationaler Verlagshäuser ansieht, so ist Print nach wie vor die massive Basis, von der weggearbeitet wird. Und darüber hinaus schaut man darauf, wie man eine Konvergenz von Print in den Online-Bereich und vom Online-Bereich in den TV-Bereich bekommt. Und über diese Mechanismen muss man nachdenken.