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Am Panama-Kanal herrscht "Tote Hose"

Von Klaus Blume

Politik

Panama-City - Hector Castillo hat schon bessere Zeiten erlebt. "Die Gringos sind ein notwendiges Übel, seit sie weg sind, geht die Wirtschaft den Bach runter", sagt der 39-jährige Taxifahrer während er sich mit seinem klapprigen Nissan durch das abendliche Verkehrsgewühl von Panama-Stadt schiebt. Die Benzinuhr steht so tief, dass Zweifel aufkommen, ob er das Fahrziel überhaupt erreicht.


Fast zwei Jahr ist es jetzt her, dass die USA den von ihnen erbauten berühmten Kanal zwischen Atlantik und Pazifik an Panama übergaben und die dort stationierten "Gringos", wie die US-Amerikaner in Lateinamerika heißen, abzogen. Doch wie Castillo meinen viele Panamaer, dass es ihnen früher wirtschaftlich besser ging. Die Versprechungen der Regierungen, die von den Amerikanern geräumten Flächen am Kanal binnen kurzem in blühende Firmenlandschaften zu verwandeln, harren noch ihrer Erfüllung. Ein "zweites Singapur" hatten einige überoptimistische Planer aus Panama machen wollen. Castillo hat dafür nur einen englischen Kraftausdruck übrig.

Bis 1999 gehörte Castillo zu den privilegierten Taxifahrern, die in die Howard-Luftwaffenbasis auf der Westseite des Kanals einfahren durften. Jetzt steht Howard leer, weil sich noch kein privater Investor für das Gelände gefunden hat. Nicht viel anders sieht es im Fort Clayton am nördlichen Stadtrand aus. Nur 20 Prozent der Einrichtungen, in denen eigentlich ein Technologiepark und ein internationales Hochschulzentrum entstehen sollten, sind vermietet. Die Einnahmen decken kaum die Kosten.

Immerhin sind entlang der 81 Kilometer langen Wasserstraße auf früherem Militärgelände einige neue Hotels gebaut und an den Kanalausgängen Container- und Kreuzfahrtterminals errichtet worden. Doch ist das noch kein Ausgleich für die jährlich 300 Millionen Dollar, die die amerikanischen Truppen und Kanalbediensteten mit ihren üppigen Auslandszulagen einst im Lande ließen. Dabei läuft der Schiffsverkehr im Kanal, den Panamas Präsidentin Mireya Moscoso am 31. Dezember 1999 um 12.00 Uhr Ortszeit feierlich übernahm, reibungslos. Die Unkenrufe, dass die Panamesen unfähig seien, den Kanal allein zu betreiben, sind längst verstummt. Jeden Tag passieren rund 35 Schiffe den Kanal, die Unfallzahl war im vorigen Jahr eine der niedrigsten aller Zeiten. Allerdings gilt der Kanal mit seinen Schleusen, die nur Schiffe bis 300 Meter Länge und 65 000 Tonnen Gewicht aufnehmen, für den künftigen Verkehrsbedarf als zu klein.