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Am Panamakanal geht ein US-Jahrhundert zu Ende

Von Klaus Blume Panama

Politik

· Am Mittag des 31. Dezember werden die USA den von ihnen 1914 fertig gestellten Panamakanal in den Besitz der zentralamerikanischen Nation übergeben. Schon am 30. November schloss mit | Fort Clayton die letzte amerikanische Militärbasis am Kanal. Erstmals gewinnt Panama die volle Kontrolle über sein Staatsgebiet.


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1879 hatten die Franzosen den Versuch gestartet, einen Kanal auf Meereshöhe zu graben. Doch das von Ferdinand de Lesseps, dem Erbauer des Suez-Kanals, geführte Unternehmen scheiterte an

Krankheiten, technischen und finanziellen Problemen. Zu einer der treibenden Kräfte für die Weiterführung des Projektes wurde US-Präsident Theodore Roosevelt (1901 bis 1909), der den Kanal als

Voraussetzung für die Entfaltung amerikanischer Seemacht betrachte. Er unterstützte die Abspaltung Panamas von Kolumbien, nachdem der kolumbianische Senat ein Abkommen zwischen Washington und Bogota

verworfen hatte. Doch die Regierung unter Präsident Amador hatte nicht viel zu bestimmen und musste Ende 1903 einen Vertrag akzeptieren, der den USA "auf alle Zeiten" eine 16 Kilometer breite

Hoheitszone entlang des Kanals zugestand. Anstelle eines Kanals auf Meereshöhe entschieden sich die Amerikaner für einen Schleusenkanal, der die Landenge auf 26 Metern Höhe überquerte.

Als am 15. August 1914 die "Ancon" als erstes Schiff den Kanal durchfuhr, glänzte das Jahrhundertwerk mit einer Serie von Superlativen: Der Gatun-Stausee, durch den fast die Hälfte der Kanalstrecke

führt, war der größte Stausee mit der längsten Staumauer seiner Zeit, die Schleusenkammern die größten Betonkonstruktionen. 200 Millionen Kubikmeter Erdreich waren ausgehoben worden, fast

drei Mal so viel wie beim Suez-Kanal. Die Wasserstraße kostete die Amerikaner 352 Millionen Dollar.

Hunderttausende Schiffe befuhren in den folgenden Jahrzehnten den Kanal. Doch die von den USA regierte Kanalzone, die Panama in zwei Teile schnitt, verletzte nicht nur den Nationalstolz dieses

Landes, sondern wurde in ganz Lateinamerika wie ein Stachel im Fleisch empfunden. Am 7. September 1977 unterzeichneten Militärmachthaber Omar Torrijos und US-Präsident Jimmy Carter einen

neuen Vertrag, der die Übergabe des Kanals zum 31. Dezember 1999 vorsieht.

Die Übergabe des Kanals wird in Panama wie einer zweite Unabhängigkeit gefeiert. Zum Feiern hat Präsidentin Mireya Moscoso die befreundeten Staatschefs aber schon für den 14. Dezember eingeladen.

Denn so wie im August 1914 der gerade ausgebrochene Erste Weltkrieg die Eröffnung des Kanals auf die hinteren Seiten der Tageszeitungen verdrängte, so sind es am 31. Dezember 1999 die

Millenniumsfeiern, die das Weltinteresse vom Panamakanal ablenken.