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Am Schleudersitz der Macht

Von Ines Scholz

Politik

Moses Blah, Charles Taylors bisheriger Vize und ehemaligeer Kampfgefährte, soll in Monrovia vorübergehend dessen Amtsgeschäfte führen; genauer gesagt bis zu den regulären Präsidentenwahlen am 14. Oktober. Eine Kandidatur soll dem 56-Jährigen verwehrt bleiben, wenn auch viele Beobachter nicht glauben, dass der einstige General, der in den 80er Jahren gemeinsam mit Taylor den Krieg nach Liberia brachte, so sang- und klanglos von der politischen Bühne abtreten wird.

Blah selbst leugnet jegliche politischen Ambitionen. Er habe den Posten nur angenommen, weil es ihm um die Einheit des Landes gehe, verriet er in einem Interview in seiner weitläufigen Villa am Stadtrand Monrovias. Als ersten Schritt will er die USA um einen größeren Beitrag an humanitärer und Militärhilfe bitten. Zum Sprachrepertoire des 14-fachen Familienvaters, der in den 90er Jahren Regimegegner exekutieren ließ und bei den LURD-Rebellen ebenso verhasst ist wie der abgedankte Charles Taylor, gehört neuerdings auch das Wort "Friede". "Wir sollten die Waffen niederlegen und die Friedenspfeife rauchen", appellierte er etwas unbeholfen an die Adresse seiner Feinde und stellte ihnen Machtteilung in Aussicht. Doch noch ist nicht einmal sicher, ob Blah sich bis Oktober halten wird können. Regierungsvertreter der Westafrikanischen Staatengemeinschaft spekulieren bereits, dass er seinen Interimsposten schon in einigen Tagen wieder verlieren könnte, dann nämlich, wenn Erfolg versprechende Friedensgespräche in Ghana einen Wechsel an der Spitze unabdingbar machen.