Zum Hauptinhalt springen

Amadé, der Dealerschreck

Von Christoph Irrgeher

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 8 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

"Wo man singt, da lass’ dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder", heißt es. Offenbar mögen üble Gestalten auch keine Musik, jedenfalls keine klassische. Der Innsbrucker Hauptbahnhof wird neuerdings des Nachts mit klassischen Klängen beschallt, und dies offenbar mit einer wundersamen Wirkung: Drogendealer und anderes Gelichter würden das Areal seither meiden, vermeldet die Gratis-Zeitung "Heute" unter Berufung auf einen Sprecher der ÖBB.

So ganz unglaubwürdig klingt das nicht: Auf internationalen Bahnhöfen soll die Tonkunst von Mozart, Beethoven und Kollegen in den Vorjahren ähnliche Dienste geleistet haben. Offenbar irritieren die gediegenen Klänge beim Drogenhandel empfindlich, darf man annehmen und sich also freuen, dass da eine gewaltfreie Methode zur Unterbindung solcher Bahnhof-Deals gefunden wurde.

Wobei die Sache freilich ihre Kehrseite hat. Erstens finden solche Geschäfte dann einfach woanders statt (und man kann kaum den gesamten öffentlichen Raum suchtgiftpräventiv klassisch beschallen). Zweitens hat die Methode fragwürdige Signalwirkung. Die Praxis, Meisterwerke - einst geschaffen für eine geistige Elite - als Abschreckungswaffen gegen Kleinkriminelle einzusetzen, rückt unsere Gesellschaft in ein schiefes Licht.

Dabei muss man den verjagten Dealern immerhin eines zugutehalten: Sie hören offenbar noch ein klein wenig auf jene Musik, mit der sie bedudelt werden. Das ist, angehörs einer akustischen Umweltverschmutzung in Restaurants, Bars, Spars, Wellness-Zonen und neuerdings sogar Bank-Austria-Foyers, ein mittleres Wunder.