Zum Hauptinhalt springen

Amazon meint es eh gut

Von Christina Böck

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 2 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Im Film "Shakespeare in Love" muss sich eine Frau noch als Mann verkleiden, damit sie in einem Shakespeare-Stück mitspielen darf. Als "Mann" küsst sie dann eine "Frau" - die wieder ein verkleideter Mann ist. Das hat sich glücklicherweise schon lange geändert - und Frauenrollen dürfen im Normalfall Frauen spielen. Die Amazon Studios wollen da noch weiter gehen und haben neue Richtlinien, die Folgendes festlegen: "Es sollen nur noch Schauspieler engagiert werden, deren Identität (Geschlecht, Geschlechtsidentität, Nationalität, Ethnizität, sexuelle Orientierung, Behinderung) mit den Figuren, die sie spielen, übereinstimmt." Klingt erstmal nach einem hehren Ziel. Und nach etwas, was man auch trefflich bespötteln kann. So wird auf den Sozialen Netzwerken geneckt, dass man nun Außerirdische nur mehr mit Außerirdischen besetzen dürfe. Tatsächlich zielt die Richtlinie natürlich darauf ab, dass Minderheiten wie transsexuelle Schauspieler nicht noch mehr in die Ecke gedrängt werden, wenn sie nicht einmal die paar Jobs kriegen, die ihnen auf den Leib geschneidert wären. Allerdings, denkt man die Richtlinie in aller Strenge weiter, hätte Arnold Schwarzenegger nie Karriere gemacht. Der homosexuelle Neil Patrick Harris hätte nie seine Paraderolle, Frauenheld Barney Stinson, gespielt - was man auch als Zurücksetzung werten könnte. Latinos dürften nur noch Latinos spielen, was die Anzahl der für sie verfügbaren Rollen ziemlich einschränkt. Manchmal ist es eine Krux mit dem Gutmeinen.