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"America is back"

Von Ines Scholz

Politik

Der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger war der große Star am zweiten Tag des Parteikonvents der Republikaner am Dienstag (Ortszeit) in New York. Mit Lobeshymnen auf Amerika und die Republikaner, die mit dem American Dream gleichzusetzen seien, warb der gebürtige Steirer vor den Tausenden Delegierten und Millionen TV-Zuschauern für eine Wiederwahl von US-Präsident George W. Bush, während auf den Straßen davor Bush-Gegner demonstrierten. Zuvor hatte Ehefrau Laura Bush die familiäre Seite des Präsidenten hervorgehoben, der gestern für eine zweite Amtszeit offiziell nominiert wurde. Bush selbst hat heute, Donnerstag, im Madison Square Garden seinen großen Auftritt.


Der Auftrag von "Arnie" und Laura Bush war klar: Der hässlichen Karikatur, die den US-Präsidenten als ideologisch verblendeten Kriegstreiber und kühlen Sachwalter der US-Konzerne darstellt, das Bild eines mitfühlenden, visionären und nachdenklichen George W. Bush entgegen zu setzen und damit liberale Wähler zu beeindrucken, die sich der konservativ-religiös geprägten Partei kaum verbunden fühlen.

Schwarzenegger kombinierte dabei mit rhetorischem Geschick seine Lobesrede auf Bush mit meist schlichten, optimistischen Aussagen über das Land der unendlichen Möglichkeiten: Amerika als Licht der Welt, die US-Soldaten, die im Irak die Freiheit verteidigen und die Wirtschaft, der man vertrauen muss.

Die Beharrlichkeit und Stärke des Präsidenten habe Amerika sicherer gemacht, sagte der Hollywood-Star und Bodybuilder, der - in Anspielung auf den demokratischen Bush-Herausforderer John Kerry - die "girlie-men" der Politik tadelte. Amerika bleibe der Leuchtturm der Welt und habe mit Bush einen Führer, "der nicht wankt, nicht zaudert und nicht klein beigibt". "Wenn Sie, meine Damen und Herren, glauben, dass wir leidenschaftlich und unerbittlich sein und den Terrorismus auslöschen ("terminate") müssen, dann sind Sie Republikaner". "America is back", hämmerte er seinem Publikum dann noch in Anlehnung an das Zitat aus den "Terminator"-Filmen in der Sportarena ein. Danach sang Schwarzenegger ein Hohelied auf das Land der unendlichen Möglichkeiten, das er selbst verkörpert wie kein anderer. "Als Kind habe ich gesehen, wie Österreich nach dem Abzug der Sowjets ein sozialistisches Land wurde. Ich liebe Österreich, aber ich wusste immer, dass Amerika der richtige Platz für mich ist - es gibt kein Land, das mitfühlender ist als die Vereinigten Staaten." Und: "Vielleicht stimmen Sie mit dieser Partei nicht in jeder Frage überein, aber das ist nicht nur o.k., das ist es, was an diesem Land so toll ist".

First Lady Laura Bush würdigte in einer emotionalen Rede die Führungsqualitäten ihres Mannes nach den Anschlägen vom 11. September 2001 - Bush habe einen historischen Kampf gekämpft und verdiene damit eine Wiederwahl - und präsentierte sich volksnah. "Wir sind wie ihr, wir sind nicht böse, wir sind nette, offene, spaßige, ja liberale Menschen".

Proteste trotz Festnahmen

Der Kongress wurde am Mittwoch ungeachtet der Massenfestnahmen in der Nacht auf Dienstag (1000 Festgenommene) wieder durch zum Teile massive Proteste im New Yorker Stadtteil Manhattan begleitet. Gegner der Bush-Regierung, darunter der US-Gewerkschaftsdachverband AFL-CIO, protestierten mit rosa Kündigungsschreiben, den sogenannten "pink slips", gegen den Verlust von Millionen Jobs in Amerika. Andere belästigten Delegierte des Parteitages in einer Kampagne zivilen Ungehorsams. Für heute wird mit einer weitaus größeren Protestkundgebung gerechnet - anlässlich der Bush-Rede haben sich Tausende Demonstranten angesagt. Am Mittwoch sprach Vizepräsident Dick Cheney.