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AMS-Kurse besser als ihr Ruf

Von Brigitte Pechar

Politik

IHS-Experte Lassnigg rät für jugendliche Arbeitslose zu speziellen Trainings.


Wien. Über die Sinnhaftigkeit und Qualität von Kursen, die das Arbeitsmarktservice (AMS) anbietet, wird seit Jahren debattiert. Das AMS-Wien hat bereits reagiert und stellt ab Herbst die sogenannten Aktivierungskurse ein. In diesen Aktivierungskursen geht es etwa darum, dass Arbeitssuchende Lebensläufe entwerfen oder Bewerbungsschreiben aufsetzen.

Rund 73.500 Arbeitslose haben im Vorjahr einen AMS-Kurs absolviert, 18 Prozent davon haben einen Aktivierungskurs belegt. "Jährlich kosten diese Schulungen den Steuerzahler 1,1 Milliarden Euro. Viele Arbeitssuchende werden in Schulungen gesteckt, an deren Sinnhaftigkeit viele Betroffene zweifeln", heißt es in einem Antrag der FPÖ betreffend "Transparenz und Qualitätssicherung bei AMS-Kursen", der heute, Donnerstag, im Nationalrat diskutiert wird.

Auch die Volksanwaltschaft hat sich dieses Themas angenommen und ein amtliches Prüfungsverfahren eingeleitet. Anlass dafür war die Beschwerde eines 62-jährigen Wieners, der 53 Tage vor seinem Pensionsantritt in einen Karriereplanungskurs geschickt wurde. Der zuständige Volksanwalt Günther Kräuter sieht darin keinen Einzelfall, sondern einen "eklatanten Systemfehler".

Im Sozialministerium relativiert man allerdings, denn sehr viele Arbeitssuchende hätten erhebliche Qualifikationsmängel und da wäre der Besuch eines solchen Kurses schon hilfreich. Natürlich könne man nicht alle Arbeitssuchenden über einen Kamm scheren.

Über die Wirkung dieser Aktivierungskurse könne man wissenschaftlich fundiert nichts sagen, sagt Lorenz Lassnigg, Weiterbildungsexperte im Institut für höhere Studien. Insgesamt sei das wissenschaftliche Bild über die gesamte Palette der AMS-Kurse "besser als es in der Debatte gezeichnet wird". Eines sei aber zutreffend: "Besser als zu Hause zu sitzen und gar nichts zu machen, ist der Besuch eines Kurses", sagt Lassnigg. Und gesichert sei, dass solche Kurse für Erwachsene bei Jugendlichen gar nicht greifen. Aber da gebe es ohnehin das Jugendcoaching und viele spezielle AMS-Maßnahmen.