Zum Hauptinhalt springen

An die Wand geklebt

Von Christian Rösner

Politik

Riesenplakat soll Vassilakous Beharrlichkeit demonstrieren - nicht alle verstehen die Kampagne.


Wien. Rund 11 mal 20 Meter groß schaut die grüne Verkehrsstadträtin und Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou seit Dienstag von einem Riesenbild in der Nähe des Naschmarktes herunter. Gefesselt. Arme und Beine mit Gafferband an die Wand geklebt.

Rund um sie herum steht geschrieben: "Ich soll den Häupl Michi nicht immer so ärgern." "Ich soll die Pappn halten, wenn der Michi spricht." Und: "Ich soll dem Häupl Michi nicht immer die Mahü unter die Nase reiben."

Was will sie damit sagen? Laut den Wiener Grünen soll das überlebensgroße Plakat auf dem Haus an der Linken Wienzeile 34 auf die Beharrlichkeit Vassilakous verweisen. Schließlich habe sie viele Dinge auch gegen den Widerstand des Koalitionspartners umgesetzt, hieß es vonseiten der Grünen am Dienstag.

"Mutig von ihr, sich so mit Häupl anzulegen", meinen die einen. "Schön blöd, dass sie so offensichtlich zeigt, dass ihr gegenüber der SPÖ die Hände gebunden sind", meinen die anderen.

Oder: "Ist doch ganz klar. Das bedeutet, gebt mir im Herbst mit eurer Stimme die Kraft, um mich von den Fesseln des Koalitionspartners zu befreien", sagen die einen. Und andere wiederum erinnert das Ganze an das Wahlplakat der ÖVP im Jahr 2010, das Häupl mit Sturmfrisur und dem Slogan "Frischer Wind für Wien" zeigte. "Die ÖVP macht noch zusätzlich Werbung für die SPÖ", hieß es damals.

Beim Koalitionspartner stößt das Plakat jedenfalls nicht auf viel Verärgerung - auf einen Hauch von Polemik will man allerdings dann doch nicht verzichten: "Wenn wir uns über so etwas ärgern würden, dann würden wir wir uns Grüne nennen", meinte etwa SPÖ-Klubchef Rudi Schicker zur "Wiener Zeitung." Die Grünen seien offensichtlich noch immer wehleidig. Nachsatz: "Wenn man sich selber so plakatiert, dann zeigt man doch, dass man eigentlich ein bisschen ratlos ist."

"Überspitzen die unangepasste Rolle von Vassilakou"

Angela Stoytchev, Landesgeschäftsführerin und Wahlkampfleiterin der Grünen, sieht das naturgemäß anders: "Eine klare Vision und eigene Meinung zu haben, ist politisch unbequem. Mit diesem Plakat überspitzen wir bewusst die unangepasste Rolle von Maria Vassilakou in der rot-grünen Stadtregierung. Es ist das erste Plakate einer Serie, mit dem wir die Haltung der Grünen pointieren wollen", erklärte sie am Dienstag in einer Aussendung.