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An Zuversicht herrscht kein Mangel

Von Walter Hämmerle

Politik

Sechs Tage vor der Wahl herrscht an demonstrativ zur Schau gestellter Siegeszuversicht in den Lagern der beiden Präsidentschaftskandidaten kein Mangel. Sowohl Benita Ferrero-Waldner als auch Heinz Fischer geben sich dabei selbst fest entschlossen, in der verbleibenden Zeit noch jede Gelegenheit zum persönlichen Stimmenfang zu nutzen.


Eines ist in Wahlkämpfen allgemein und in der heißen Schlussphase im Besonderen strengstens verboten: Die Möglichkeit einer Niederlage in Betracht zu ziehen. Nicht einmal rein hypothetisch, etwa in der Art des "was wäre wenn?".

Dementsprechend fallen auch die unzähligen Wortspenden aus, mit denen uns die Wahlkampforganisationen und diverse Unterstützungskomitees der beiden Präsidentschaftskandidaten in diesen Tagen ohne Unterlass bombardieren und die - selbstverständlich - ausnahmslos alle von einem Sieg ihres Favoriten bzw. ihrer Favoritin ausgehen.

Gestern rückten nun - wohl nicht ganz zufällig - zwei Frauen aus, um die Vorzüge Ferrero-Waldners und Fischers ins rechte Licht zu rücken. Nicht zufällig deshalb, weil in den letzten Tagen immer mehr die Frage in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit rückte, welche Rolle das Geschlecht bei dieser Wahl spielen wird. Ob also der Umstand, dass die ÖVP-Kandidatin eine Frau ist, ihr bei den Wählerinnen und Wählern eher zum Vorteil oder zum Nachteil gerät?

Barbara Prammer, SPÖ-Frauenvorsitzende, steht hier auf dem Standpunkt, dass der - theoretische - Vorteil, eine Frau zu sein, in diesem Fall durch den Umstand neutralisiert, dass Ferrero-Waldner es in ihrer praktischen Regierungsarbeit an entsprechendem frauenpolitischen Engagement fehlen habe lassen. Ähnlich sieht das auch das "Unabhängige FrauenForum" (UFF), das ebenfalls gestern eine Wahlempfehlung für Fischer ausgesprochen hat. Prammer gilt für den Fall, dass Fischer siegt, als aussichtsreiche Kandidatin für dessen Nachfolge als Zweiter Nationalratspräsident.

Unterstützung für Ferrero-Waldner bei gleichzeitiger Kritik an der Amtsführung von Bundespräsident Thomas Klestil kam gestern aus Vorarlberg. Klestil habe sich "zu stark eingemischt", kritisierte die Speditions-Unternehmerin Heide Senger-Weiß als Sprecherin des Personen-Komitees für Ferrero-Waldner. Hierin liege auch der Grund für die Diskussion über die Abschaffung des Amtes, glaubt sie. In diesem Zusammenhang sprach sich Vorarlbergs Landeshauptmann Herbert Sausgruber gegen das Schweizer Modell aus, bei dem ein Minister jeweils für ein Jahr die Funktionen des Bundespräsidenten ausübt.

Trotz der knappen Zeit, die noch bleibt, die Wähler zu mobilisieren, hat der nahe Wahltermin angesichts der zu Ende gehenden Geldmittel auch sein Gutes. Die SPÖ jedenfalls hatte bereits 3,5 der insgesamt auf 4 Millionen Euro beschränkten Wahlkampfmittel verbraucht. Bei der ÖVP wird das wohl nicht anders sein. Der Wahlbeteiligung am Sonntag wird angesichts des in den Umfragen prognostizieren Kopf-an-Kopf-Rennens entscheidende Bedeutung zugemessen.