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Analyse

Von Helmut Dité

Wirtschaft

Die Ölpreise werden auf absehbare Zeit hoch bleiben

Das starke Wachstum der Weltwirtschaft - vor allem aber der ungeheure Öldurst Chinas - wird nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur den globalen Ölbedarf in diesem Jahr auf den höchsten Stand seit 16 Jahren treiben.

Laut IEA-Prognose wird der Ölbedarf in China in diesem Quartal mit 6,26 Mill. bpd um ein Fünftel höher sein als im ersten Quartal. Es sei nicht damit zu rechnen, dass die Maßnahmen der chinesischen Regierung zur Abkühlung der Wirtschaft, die derzeit im hohen Tempo wächst, zu einer deutlich niedrigeren Ölnachfrage führen würden.

Die nicht zur OPEC gehörenden Ölexportländer könnten auch bei höherer Produktion den gestiegenen Bedarf nicht decken, meinen die Experten des Pariser Energieforums der Erdöl importierenden Länder. Und fordern die OPEC daher dringend auf, die Förderung hochzufahren.

Am Mittwoch erreichte der Preis für die Nordsee-Ölsorte Brent mit 37,47 Dollar je Barrel ein neues 13-Jahres-Hoch. Beunruhigend, dass dieses hohe Preisniveau im zweiten Quartal erreicht wurde - in dem ist die Weltölnachfrage saisonal bedingt normalerweise niedriger als in den anderen Quartalen. Die Nachfrage wird im 3. Quartal wahrscheinlich weiter steigen - und damit wohl auch die Preise.

Mittlerweile sehen mehr und mehr Experten in den hohen Ölpreisen eine Gefahr für die Erholung der Weltwirtschaft - auch in Europa, wo der gegenüber dem Dollar relativ stärkere Euro einen Teil der Preiserhöhung abfedert.

Die höchsten Preise für Öl-Importe seit Anfang 1983 haben unterdessen den USA im März ein Rekord-Außenhandelsdefizit von knapp 46 Mrd. Dollar (38,8 Mrd. Euro) beschert. Allein die Einfuhren aus OPEC-Ländern waren 7,4 Mrd. Dollar wert. Insgesamt kletterte der Wert aller Ölimporte um mehr als 20% auf 10,2 Mrd. Dollar.

IEA-Direktor Claude Mandil sagt zum Vorschlag Saudi-Arabiens, des weltgrößten Erdöl-Exporteurs, die Fördermengen um 6% zu erhöhen: "Ich denke nicht, dass das genug sein wird, denn es wird ein langer Prozess sein, den Markt wieder abzukühlen. Aber es ist ein erster Schritt, und ich bin froh darüber."

Die meisten OPEC-Staaten unterstützen mittlerweile auch den Vorstoß Saudiarabiens, bald über höhere Förderquoten zu reden. Aber: Die Quoten stehen ohnehin nur auf dem Papier. Schon jetzt werden um 2 Millionen Fass pro Tag mehr gefördert als vereinbart, räumte der Generalsekretär des Kartells gestern erstmals ein - man toleriere das angesichts der hohen Preise.