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Anarchischer Kapitalismus

Von Christina Böck

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Es war schon ziemlich weit vom Schuss. Aber ganzen 150.000 Menschen war der Weg nach Weston-super-Mare trotzdem nicht zu weit. Das ist ein englisches Küstenstädtchen in der, nun ja, Nähe von Bristol. Es hat nicht viele Sehenswürdigkeiten. Bis auf diesen Spätsommer. Da zog nämlich Street Artist Banksy mit einer Reihe befreundeter Künstler in das verfallende Freibad der Stadt ein und gestaltete es in einen Anti-Freizeitpark um. Für fünf Wochen lud er in einen dunkelgrauen Disneyworld-Gegenentwurf, nach eigenen Aussagen ein "Festival für Kunst, Unterhaltung und Anarchismus für Einsteiger". Das ganze hieß "Dismaland", "dismal" heißt trostlos, aber irgendwie schien dieses Trauerspiel ziemlich viel Spaß zu versprechen.

Und so kam es, dass 4000 Tickets pro Tag immer im Nu ausverkauft waren, ganz wie im richtigen Disneyland musste man sich überall ewig anstellen. Und die Besucher liebten es. Sie ließen sich mit Hingabe auch vom extra unfreundlichen Personal anpöbeln und spielten mit, wenn sie Trostpreisen (etwa einem "Meaningless Rubber Bracelet") unwürdig nachlaufen mussten.

Natürlich gibt es genug, die finden, das ist banal, das ist keine Kunst. Aber Kunst, die einem das Lachen im Hals steckenbleiben lässt, hat nicht Banksy erfunden. Mancher mag auch sagen, das ist kapitalismuskritischer Kapitalismus, denn immerhin brachte die Ausstellung der Gemeinde Einnahmen von 9,5 Millionen Pfund. Dagegen spricht freilich, dass die Laufzeit des Parks trotz des Riesenaufwands nicht verlängert wurde. Was wiederum vor allem eins ist: schade.