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Andante ma non troppo

Von David Axmann

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Das Fremdwort "aktuell", auf das spätlateinische "actualis" (wirksam, wirklich, tatsächlich) zurückgehend, ist uns allen sehr vertraut und gegenwärtig, besonders in Tagen wie diesen, wo tatsächlich nahezu alle TV- und Radioanstalten fast nur ein Thema behandeln: den 11. September. In Österreich wird das globale Hauptthema von der für uns ebenfalls dringlichen Diskussion über die vorzeitigen Neuwahlen begleitet.

Ob all dieser Aktualitäten sollte man jedoch nicht vergessen, dass das menschliche Interesse sich nicht in der Tages- und Weltpolitik erschöpft. "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum", sagte Friedrich Nietzsche. Das schöne Wort war der von Martin Gross gestalteten Ö1-Radiokolleg-Sendereihe über die Entbehrungen des Musikerberufs vorangestellt. Unter dem Titel "Hart verdientes Brot" berichteten Orchestermusiker und Solisten von den körperlichen und seelischen Belastungen, denen sie ausgesetzt sind, von den Gefahren des Leistungsdrucks und den Tücken spannungsloser Routine. So sehr die Tonkunst auch zu beglücken vermag, die Umstände des Musizierens seien oft doch recht beschwerlich; man fühlt sich dann sozusagen andante ma non troppo, frei übersetzt: es geht einem nicht sehr gut.

Im anschließenden Vormittagskonzert, aufgenommen bei der Schubertiade Schwarzenberg, spielte der junge britische Pianist Paul Lewis die letzten beiden, grandiosen Schubert-Klaviersonaten in A-Dur und B-Dur, das oben zitierte NietzscheWort auf herrliche Weise bestätigend.