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Andere Zeiten - andere Konzepte

Von Karl Leban

Wirtschaft

Lösung "soll die nächsten 15 bis 20 Jahre Bestand haben." | Im Sommer fällt finale Entscheidung. | Wien. Tagelang haben sie zu den überraschenden Fusionsplänen für die Ostbankenholding Raiffeisen International (RI) und die Raiffeisen Zentralbank (RZB) eisern geschwiegen. Was offenbar ein grober Schnitzer war. Für Freitag haben die Raiffeisen-Granden kurzfristig dann doch eine Pressekonferenz einberufen, nachdem verunsicherte Anleger die RI-Aktie zuvor um gut 20 Prozent abstürzen ließen und sich an der Börse so rund eine Milliarde Euro in Luft auflöste. Triftige Gründe, warum die Giebelkreuzer mit derart großem Aufwand an einem neuen Bankenkonstrukt basteln, sind RZB-General Walter Rothensteiner und RI-Chef Herbert Stepic freilich weiter schuldig geblieben.


Beide sprachen jedenfalls von einer nachhaltigen organisatorischen Lösung, die aus der Position der Stärke angestrebt werde. "Das soll dann die nächsten 15 bis 20 Jahre Bestand haben", sagte Rothensteiner.

Vor fünf Jahren, als Raiffeisen International an die Börse gebracht wurde, seien die Zeiten anders gewesen als jetzt. Wenn sich der Sektor jetzt damit befasse, wie er sich für die Zukunft neu aufstelle, sei das legitim, betonte Rothensteiner mit Hinweis auf die globale Krise, die noch nicht vorbei sei. Stepic ergänzend: "Andere Zeiten erfordern andere Maßnahmen mit anderen Prioritäten." Akute Kapitalprobleme oder wirtschaftliche Not (etwa in Osteuropa) seien aber nicht der Grund für die angestrebte Fusion.

Zwang durch Basel III?

Die künftig wesentlich verschärften Eigenkapitalvorschriften für Banken (Basel III) dürften hingegen sehr wohl einer der Gründe sein. Das räumte Rothensteiner indirekt auch ein: "Basel III wird das Bild in der Bankenwelt verändern." Ob es bei Raiffeisen bereits eine Bedarfsrechnung dazu gibt, wollte er aber nicht sagen: "Solange man nicht genau weiß, was da kommt, ist das geisterhaft."

Die gesamten Eigenmittel lagen im RZB-Konzern (inklusive RI) zuletzt bei 12,3 Milliarden Euro. Das Kernkapital beträgt 8,9 Milliarden - und die Kernkapitalquote auf das gesamte Risiko 9,4 Prozent. Grundsätzlich ist Raiffeisen damit im Vergleich zu Mitbewerbern solide mit Eigenkapital ausgestattet. Trotzdem könnte Basel III künftig für einen relativ hohen Kapitalbedarf sorgen, wenn zum Beispiel das Eigenkapital von Minderheitsbeteiligungen nicht mehr angerechnet werden darf.

Von einer einheitlichen Refinanzierungsstruktur in Verbindung mit der Börsenotiz der fusionierten Bank versprechen sich die Giebelkreuzer jedenfalls breiteren Zugang zu den Kapital-, Geld- und Anleihemärkten. Damit könnten auch langfristige Wachstumschancen besser unterstützt werden, so Rothensteiner. Bei einer Fusion würde vor allem das RZB-Geschäft mit österreichischen und internationalen Firmenkunden mit dem Ostgeschäft der RI gebündelt. Damit würde eine integrierte Bankengruppe entstehen, die als Universalbank 15 Millionen Kunden in 18 Ländern betreut.

Neue Bankenholding

Einer der Vorteile einer Fusion wäre auch das gebündelte Know-how bei den Produkten und der gemeinsame Vertrieb. "Wir wollen künftig viel mehr Produkte durch unsere 3000 Niederlassungen durchjagen", erklärte Stepic. Einsparungen seien hingegen "nicht das primäre Motiv".

Wie berichtet, soll das Sektorgeschäft, mit dem die RZB ihre Funktion als Raiffeisen-Spitzeninstitut bisher ausgeübt hat, abgespalten und auf eine neue Bankenholding übertragen werden. Ein Name für die geplante neue Bank an der Börse (statt der RI) ist noch offen. Rothensteiner: "Viele Möglichkeiten gibt es ja nicht - vielleicht heißt sie dann Raiffeisenbank International". Zur Besetzung der künftigen Bankenspitze meinte der RZB-Chef: "Die bisher bekannten Gesichter würden Ihnen erhalten bleiben."

Die Konzepte für die Fusion sollen Ende März, Anfang April fertig sein. Die Fusion müsste dann in den Hauptversammlungen im Sommer beschlossen werden. Sollte sie bis Ende September im Firmenbuch eingetragen sein, wäre sie rückwirkend mit 1. Jänner.