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Angriff der Bausparkassen

Von Stefan Melichar aus Rumänien

Wirtschaft

Finanzkrise als Argument gegen das US-Kreditsystem. | Österreichs Kassen haben in Rumänien die Nase vorn. | Bukarest. Die europäischen Bausparkassen blasen zum Angriff: Vor dem Hintergrund der internationalen Finanzkrise präsentiert sich die Branche auf den umkämpften Märkten Osteuropas als sichere Alternative zu anderen Modellen der Wohnbaufinanzierung. Bei ihrer Herbsttagung in der rumänischen Hauptstadt Bukarest nahmen Vertreter der Europäischen Bausparkassenvereinigung (EuBV) vor allem die Konkurrenz aus den USA aufs Korn.


Die amerikanischen Banken würden ein Finanzierungssystem, bei dem ein hohes Kreditvolumen einer relativ geringen Besicherung gegenübersteht, heftig bewerben, meint Andreas Zehnder, Geschäftsführender Direktor der EuBV. Er hoffe, dass die jetzige Krise den Verantwortlichen "die Augen öffnet".

Kampf um Attraktivität

Bislang kämpfen die Bausparkassen damit, dass ihre Kunden zunächst Geld ansparen müssen. Banken, die ihre Forderungen nach US-Vorbild weiterverkaufen, können dagegen sofort Kredite gewähren. Besonders schwierig ist die Situation in Rumänien. Nach vier Jahren sind gerade einmal 180.000 der knapp 22 Mio. Einwohner Bausparer.

Der Markt ist weitgehend in österreichischer Hand: Raiffeisen ist seit 2004 vor Ort und übernimmt gerade die rumänische HVB-Bausparkasse. Segnen die EU-Wettbewerbshütern den Deal ab, bleibt als einzige Konkurrentin die im Juli gegründete gemeinsame Bausparkasse der rumänischen Erste-Bank-Tochter BCR und der österreichischen S-Bausparkasse. Die Kassen wünschen sich weitere Marktteilnehmer, damit das Bausparmodell rascher bekannt wird. Darüber hinaus fehlt wohl noch eine breite Mittelschicht, die es sich leisten kann, Geld zum Ansparen zur Seite zu legen.

Besonders gefragt sind in Rumänien Wohnungsrenovierungen. Oana Nedelescu von der rumänischen Nationalbank räumt dem Bausparen gute Chancen ein, wenn durch die Finanzkrise die Zinsen gewöhnlicher Kredite steigen.

In Österreich erfreuen sich Bauspardarlehen wegen der Zinsobergrenze von 6 Prozent bereits wachsender Beliebtheit. Bis zum Ende des dritten Quartals sind die gesamten Ausleihungen der Branche im Jahresvergleich um 8,1 Prozent auf 16,4 Mrd. Euro angewachsen. Gleichzeitig sind die Einlagen - aus denen sich die Kredite finanzieren - unter dem Wettbewerbsdruck hoch verzinster Sparprodukte aber um 2,8 Prozent auf 17 Mrd. Euro zurückgegangen.

Kritik an Förderhöhe

Laut dem Chef der S-Bausparkasse, Josef Schmidinger, könnte der "Einlagenvorsprung" in zwei Jahren aufgebraucht sein. Deshalb fordert das Arbeitsforum Österreichischer Bausparkassen, die Obergrenze für die staatlich geförderte Ansparleistung von 1000 auf 1200 Euro pro Jahr zu erhöhen und diese jährlich an die Inflation anzupassen.