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Angriffe im Cyberspace

Von David Ignatius

Analysen
Der Autor war Chefredakteur der "International Herald Tribune". Seine Kolumne erscheint auch in der "Washington Post".

Eine der größten Herausforderungen für Donald Trump wird die Cyberkonfrontation mit Russland sein.


Hochrisikovorgänge am Cyberabgrund: Am 31. Oktober sandte das Weiße Haus mittels Notfallverbindung eine bisher geheime Nachricht an Russland - es war eine ernste Warnung vor weiteren Einmischungen über den Cyberspace in den US-Wahlkampf. Daraufhin ließ Russland die Lage nicht weiter eskalieren. Aber laut US-Regierungsbeamten lässt sich noch nicht sagen, ob der Abschreckungsversuch wirklich funktioniert hat. Wie man die Beziehungen zu Moskau stabilisieren kann, ohne dass es nach Kapitulation aussieht, wird zu den größten Herausforderungen der Präsidentschaft von Donald Trump gehören.

Gesendet wurde die Nachricht über einen Sonderkanal für Notfälle, gekennzeichnet als Krisenkommunikation. "Die Tatsache, dass wir diesen Weg gewählt haben, ist Teil der Nachricht", sagte ein ranghoher US-Regierungsbeamter.

Laut mehreren hochrangigen Quellen soll US-Präsident Barack Obama im Oktober persönlich mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gesprochen und ihn gewarnt haben, die zerstörerischen Cyberangriffe fortzusetzen. Am 7. Oktober beschuldigten US-Geheimdienstchef James Clapper und Heimatschutzminister Jeh Johnson ranghohe russische Regierungsvertreter öffentlich, die Cyberangriffe zur Beeinträchtigung des Wahlkampfs in den USA autorisiert zu haben.

Der ranghohe US-Regierungsbeamte sagte, Russland habe auf die Nachricht vom 31. Oktober eine unverbindliche Antwort gegeben: Die Vorwürfe der USA seien weder eingestanden noch abgestritten worden. Diese Enthüllungen über geheime Kontakte zwischen den USA und Russland sind das jüngste Kapitel in der Geschichte hochgeschraubter Konfrontationen zwischen den beiden Ländern - ein Prozess, den Putin und Trump umkehren wollen.

Die US-Regierung ringt darum, Cybernormen mit Abschreckungswirkung zu etablieren, die die destabilisierenden Aktionen eines aggressiven, risikofreudigen Russlands in Schach halten sollen. Die Russlandexperten in der jetzigen US-Regierung warnen ihre Nachfolger: "Für die nächste US-Regierung wird es sehr schwer, Russlands wahre Absichten zu erkennen, und ob man Vertrauen haben kann, dass Russland zu seinem Wort steht", sagte eine Regierungsbeamter. Moskau zeige "immer stärkeren Willen zum Risiko".

Der republikanische Senator John McCain äußerte eine ähnliche Warnung, nachdem Putin In einem Telefonat mit Trump den Wunsch nach partnerschaftlichen Beziehungen geäußert hatte. "Wir sollten solchen Statements so viel Vertrauen schenken wie allen anderen Stellungnahmen von früheren Geheimdienstagenten, die ihr Land in die Tyrannei gestürzt und politische Gegner ermordet haben, Nachbarn überfallen, Verbündete der USA bedroht, und versucht haben, die US-Präsidentschaftswahl zu unterminieren."

Ein neuer Kalter Krieg hat im Cyberspace begonnen. Trump scheint Entspannung zu wollen. Aber zuerst sollte er gründlich darüber nachdenken, wie er klare Normen der Cyberabschreckung etablieren kann.

Übersetzung: Hilde Weiss