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Angst vor Ausweitung der Kreditkrise

Von Rainald Edel

Wirtschaft

Mehr als 150 Mrd. sollen Banken den Rücken stärken. | Österreichische Fonds nur am Rand betroffen. | Wien. "Was kommt da noch nach?" - die bange Frage nach einer Ausweitung der US-Hypothekenkrise beherrschte auch am Freitag die Finanzmärkte weltweit. Nach einem Kurseinbruch in New York am Vorabend gab es auch an den asiatischen und europäischen Börsen vor allem bei den Finanztiteln zu starken Kursverlusten. New York selbst eröffnete den Handel am Freitag erneut mit Abschlägen, nachdem zwei weitere große Hypothekenbanken Probleme eingeräumten.


Als Ursache für die Nervosität sehen Experten die Angst, dass die Probleme am US-Markt für Hypothekenkredite mit schwächerer Bonität womöglich zu einer weltweiten Kreditkrise führen könnten. "Das Kartenhaus beginnt zu wackeln", erklären die Analysten von ABN Amro. Durch die weltweite Vernetzung des Geschäfts blicke keiner mehr durch. "Wenn es an einem Ende zwickt, kann dies das ganze Finanzsystem zum Einsturz bringen", warnte ein Börsianer: "Das ist wie beim Spielen mit Dominosteinen."

Dominoeffekt droht

Selbst die Markt-Beruhigungsmaßnahmen seitens der Notenbanken zeigten an den Börsen keine Wirkung, ganz im Gegenteil: Die Notenbanken pumpen seit Donnerstag Geld in die Kreditwirtschaft, da sich die Banken aus Furcht vor den Folgen weiterer Schieflagen untereinander nur noch zögernd Geld leihen.

Die Europäische Zentralbank (EZB), die am Donnerstag die Rekordsumme von rund 95 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt hatte, schob am Freitag noch einmal 61 Milliarden Euro nach, um die Liquidität zu sichern. Auch die Bank of Japan und die US-Notenbank Fed gaben zusätzliche Mittel. Die Interventionen waren die ersten seit den Terroranschlägen in den USA am 11. September 2001. "Wenn sich Notenbanken rund um den Globus zu so etwas veranlasst sehen, dann ist Feuer unter dem Dach", war am Freitag aus Händlerkreisen zu hören.

Der Geldmarkt selbst beruhigte sich unterdessen: Durch die Interventionsmaßnahmen konnte der Zinssatz für Tagesgeld in der Eurozone von zuvor 4,70 Prozent wieder annähernd auf ein Normalmaß von knapp über vier Prozent gesenkt werden.

Wiener Börse reagiert

Im Gegensatz zu Frankreich und Deutschland, wo in den letzten Tagen immer mehr Fonds wegen der Verluste auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt in Schieflage gerieten, sieht die heimische Finanzmarktaufsicht FMA Österreichische Geldinstitute nur geringfügig betroffen. Nach dem Rückzug des ABS-Fonds der Hypo-Banken sieht die FMA keine Notwendigkeit für die Suspendierung weiterer Fonds. "Nur bei längerem Andauern der Krise, dem Übergreifen auf andere Produkte oder weiteren massiven Suspendierungen ausländischer Fonds" bestehe Gefahr, erklärte FMA-Chef Heinrich Traumüller am Freitag.

An der Wiener Börse kamen zu Wochenschluss auch nicht die Finanztitel, sondern vor allem exportorientierte Industriebetriebe unter Druck: Voestalpine, Wienerberger, Andritz und A-Tec verloren im Wochenabstand mehr als 10 Prozent. Der Wiener Leitindex ATX fiel am Freitag um fast 4 Prozent - und rutschte damit erstmals seit Jahresultimo ins Minus.