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Angst zwischen den Stangen

Von Francesco Campagner

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Ängste können rasch wahr werden. So, als Robert Seeger beim Herren-Slalom am Dienstag in ORF 1 kurz und bündig feststellte, die Angst führe mit, um dann nicht einmal das Endergebnis des

ungewöhnlichen Teilnehmers mitzuteilen. Doch Ängste verändern sich stetig. Einst, in einer fernen, geradezu anachronistischen Zeit, hatte man als normaler ORF-Zuseher Angst, Sendungen zu verpassen.

Somit blickte man einmal in der Woche fünf Minuten in die jeweilige Fernsehzeitschrift, um sieben Tage problemlos zu überblicken. In der kürzer zurückliegenden Vergangenheit hat die Angst mit dem

Anwachsen der Kabel- bzw. Satellitensender proportional zugenommen, und man saß bereits wöchentlich eine dreiviertel Stunde, um das TV-Geschehen lückenlos in den Griff zu bekommen.

In der Gegenwart ist die Angst, man könnte etwas versäumen, ständig vorhanden, denn die TV-Zeitschriften werden zwar weiter brav gekauft, die Zeit, diese zu studieren, hat man aber nicht mehr.

Deswegen landet man bei Sendungen, die man nie und nimmer erwartet hätte ("Die Fantastischen Vier", Premiere World), hört Dinge, die man nie wieder hören wollte (Partik-Pablé in der "ZiB 2"), und

sieht Programme, die man seltsamerweise auch ohne Zeitung nie versäumt ("Am Schauplatz", ORF 2). Trotzdem würde mich interessieren, welchen Rang Slalomläufer Angst nun letztlich belegt hat.