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Anklopfen bei der Kabinenparty

Von Tamara Arthofer

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Tamara Arthofer
Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

Nun gut, ein bisschen missverständlich war es vielleicht schon. "Ich bin nicht hier, um eine Sexismus-Debatte zu eröffnen, sondern um die Salatschüssel zurückzuholen", sagte Gala León García. Gemeint war aber kein Küchenutensil, sondern die Trophäe für den Tennis-Daviscup, vulgo die hässlichste Salatschüssel der Welt. Sprich: Sie wolle als neue Kapitänin das spanische Herren-Team aus den Tiefen der Europa-Afrika-Zone wieder an die Spitze führen. Dabei wird der Ex-Spielerin bewusst gewesen sein, dass ihr Amtsantritt nun von eben dieser Debatte überschattet wird: weil Frauen sich eben immer noch rechtfertigen müssen, wenn sie sich nicht in vorgegebene Rollen pressen lassen. Und weil es eben immer so war, dass Männer von Männern trainiert wurden. Punkt.

Die anderen Argumente, die gegen ihre Nominierung vorgebracht werden, sind leicht als Alibi-Gründe zu entlarven. Da ist vor allem Toni Nadal, Onkel und Trainer von Rafael Nadal, der Skepsis hegt, weil sie zu wenig in der Herren-Tennisszene involviert sei und zu wenig über das Herrentennis wisse. Dabei war der Ex-Fußballer jetzt auch nicht als herausragender Tennis-Profi bekannt, ehe sein Sohn unter ihm zum 14-fachen Grand-Slam-Sieger wurde. Und Außenstehenden kann man immerhin keine Verhaberung vorwerfen. Natürlich muss León ihre Kompetenz erst unter Beweis stellen, eine Chance sollte man ihr aber geben. Schließlich braucht man gar nicht auf vermeintlich weiblichen Tugenden herumzureiten, um zu erkennen, dass sich die Geschlechterrollen auch im Sport verändern. Andy Murray wird von Amélie Mauresmo trainiert, der Basketball-Klub San Antonio holte sich Becky Hammon als Assistenzcoach, die Französin Corinne Diacre ist Cheftrainerin des französischen Zweitliga-Fußballvereins Clermont.

Doch ein Argument hat Nadal noch: die Freizügigkeit in der Kabine. Abgesehen davon, dass das im umgekehrten Fall kein Problem zu sein scheint, hat León die Lösung für sich schon gefunden: "Ich klopfe einfach an." Ein bisschen Respekt muss schließlich sein. Zumindest diesbezüglich können andere offenbar noch von ihr lernen.