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Anlage (ab)geschlossen

Von Barbara Ottawa

Wirtschaft
Barbara Ottawa ist freie Journalistin und berichtet vorwiegend über Investitionen und Pensionskassen.

Geschlossene Fonds konnten auch während der Finanzkrise positive Erträge erzielen. Das Interesse der Anleger daran ist bisher eher mäßig.


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Geschlossene Fonds werden oft als undurchsichtig und mit einseitigem Risiko behaftet abgetan - also als gefährliche Spekulation. "Aber wer sich heute eine Wohnung kauft, um diese zu vermieten, fährt oft ein noch viel größeres Risiko", sagt Peter Halbschmidt, Vorstand der MPC Capital. In Vorsorgewohnungen werde oft das gesamte Ersparte gesteckt, und dann könne man nur hoffen, dass der Mieter zahlungsfähig bleibt und die Wohnung in gutem Zustand verlässt. Anhand dieses Beispiels will Halbschmidt verdeutlichen, dass oft unbewusst Risiken eingegangen werden mit Investitionen, die als sicher angesehen werden.

Die weithin als unsicher und intransparent angesehenen geschlossenen Fonds hingegen haben auch während der Krise positive Erträge erzielt, nur in Einzelfällen ist es zu einem vorübergehenden Ausfall der Ausschüttung gekommen, betont Halbschmidt. Über lange Sicht gesehen - die alle Investoren in diese Anlageklasse haben sollten - haben geschlossene Fonds über die letzten Jahrzehnte im Schnitt eine Rendite von 7 Prozent jährlich erbracht.

"Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit einer positiven Performance", bestätigt Peter Maierhofer, Vorstand der WM AG, einem Unternehmen, das Vertriebe von geschlossenen Fonds wie Banken oder Finanzdienstleister mit Analysen und Gütesiegeln beliefert.

Häuser und Schiffe

Das Modell eines geschlossenen Fonds ist einfach: Eine Kommanditgesellschaft (KG) sucht sich ein Objekt, zumeist eine Immobilie oder ein Schiff. Für die Vermietung und Auslastung des Objekts wird ein Geschäftsplan erstellt, der meist über zehn Jahre für Immobilien und zwölf bis 15 Jahre für Schiffe läuft.

Dieser muss der Bank vorgelegt werden, um einen Kredit über die Höhe der Anschaffungskosten zu erhalten. Über die halbe Summe werden dann Beteiligungen an Investoren ausgegeben. "Als Anleger weiß man ganz genau, in welches Objekt man investiert, das ändert sich auch nicht", so Halbschmidt. Bei offenen Immobilienfonds hingegen gibt es immer wieder Zu- und Verkäufe.

Die Aufgabe der KG ist die genaue Prüfung der Bonität der Betreiber oder Mieter der Objekte sowie die richtige Einschätzung von wirtschaftlichen Megatrends. So werden Schiffe deshalb gern als Investitionsobjekte genommen, weil selbst mit dem Anwachsen des Flugverkehrs der Wasserweg als Hauptroute für den Güterverkehr unersetzbar bleiben wird.

Ob die KG in ihren Prüfungen und Einschätzungen richtig liegt, versucht die WM AG mit einem Gütesiegel für geschlossene Fonds zu bewerten. Die Firma, die Maierhofer 2007 gründete, hat es sich außerdem zum Ziel gesetzt, in Österreich einen Zweitmarkt für geschlossene Fonds einzurichten. Dort wird man bereits erworbene Beteiligungen frühzeitig verkaufen können, was die Liquidität der Anlageform erhöht.

Geschlossene Fonds sind jedoch nicht für jeden geeignet. Die Mindesteinlage beträgt meist 10.000 Euro, die dann je nach Geschäftsmodell auf fünf bis 20 Jahre gebunden sind.

Die Investoren erhalten halbjährlich oder jährlich eine Ausschüttung und das erst nach einer gewissen Anlaufzeit. "Rentner, die etwaige Kredite bereits abbezahlt haben, wählen einen geschlossenen Fonds als zusätzliche Altersvorsorge wegen der regelmäßigen Auszahlungen", so Halbschmidt. Auf keinen Fall sollte ein geschlossener Fonds die einzige Anlage sein, sind sich Maierhofer und Halbschmidt einig. Der Anteil dieser Investitionsform in einem Portfolio sollte etwa 10 Prozent betragen. Für Anfänger empfiehlt Maierhofer eine Immobilienbeteiligung, die durch die Mietpreisanpassung außerdem einen gewissen Inflationsschutz bietet.

anlagetrends@wienerzeitung.at