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Anna Netrebko, Patriotin

Von Edwin Baumgartner

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Da hat sie’s, die Anna Netrebko. Einen Shitstorm sondergleichen hat sie sich in den sozialen Medien eingehandelt. Sogar seriöse Zeitungen schreiben von "Skandal". Was der Darling der Opernwelt verbrochen hat? Anna Netrebko hat Flagge gezeigt - nur leider die westlicher Auffassung nach falsche, nämlich die von "Neurussland". Und das in der umkämpften ostukrainischen Separatistenhochburg Donezk an der Seite des prorussischen Separatistenführers Oleg Zarjow. Der Oper von Donezk überreichte sie zudem einen Scheck über die Summe von einer Million Rubel.

Anna Netrebko hat aus ihrem prorussisch schlagenden Herzen nie eine Mördergrube gemacht. Man weiß, wofür die Sopranistin mit österreichischem Zweitpass steht und dass nicht Heinz Fischer ihr Präsident ist, sondern Wladimir Putin. Die Aufregung im österreichischen Außenamt, die Fotos könnten für Propaganda der Separatisten missbraucht werden - zu Recht. Andererseits: Will man einem Künstler seine Überzeugung vorschreiben? Der Putinismus, wiewohl in hohem Maße problematisch, ist weit entfernt vom mörderischen Kommunismus - und doch wurden Künstler, die sich zum Kommunismus bekannten, gehätschelt und zu gleichsam Staatskünstlern aufgebaut - nicht wegen, aber trotz ihrer politischen Meinung.

Anna Netrebko bezieht, wie alle russischen Patrioten, in der Ukraine-Frage eine prorussische Position. Jetzt einen "Fall Netrebko" zu schaffen, der Künstlern ihre politische Überzeugung vorschreibt, ist völlig überzogen. Anna Netrebkos Einstellung mag man ablehnen. Dass sie sie haben darf, nennt man Demokratie.