Zum Hauptinhalt springen

Anti-afrikanische Stereotype sind tief verankert

Von Bernd Vasari

Politik

Wien. Über Jahrhunderte hinweg wurde eine europäisch-österreichische Sichtweise von Afrika erzeugt, die vorwiegend mit Rassismus und Kolonialismus einhergeht, meint Walter Sauer. Der Historiker und Herausgeber des Sammelbandes "Vom Paradies zum Krisenkontinent - Afrika, Österreich und Europa in der Neuzeit", der den Wandel in der Beziehung des alten Kontinents zu seinem südlichen Nachbarn dokumentiert, weist auf ein Afrikabild hin, das durch "komische historische Argumente angereichert" wird.


"Deswegen ist die historische Aufarbeitung des Themas sehr wichtig. Es ist zu wenig, das N-Wort durch ein anderes zu ersetzen. Wir brauchen ein anderes Verständnis und eine neue Praxis, damit sich die Optik ändern kann", ist der Autor überzeugt.

Über die Optik als Krisenkontinent ist auch der Leiter von Radio Afrika-TV, Alexis Nshimyimana-Neuberg, nicht glücklich. Seiner Ansicht nach werde mit zweierlei Maß gemessen: "Es gibt immer wieder Tornados in den USA, die alles zerstören. Aber gibt es deswegen ein Bild der USA als Krisenland?"

Afrika als Paradies

Sauer, der zweimal jährlich einen kulturhistorischen Spaziergang durch die Wiener Innenstadt mit dem Thema "Afrikanisches Wien" leitet, betont die 180- Grad-Wende seit dem Mittelalter: "Bis vor dreihundert Jahren war das Bild über Afrika ein total positives. Es war sogar ein Bild des Paradieses." Der Historiker verweist auf sichtbare Beispiele wie die "Mohren Apotheke" in der Wiener Innenstadt, die zu den vier ältesten Apotheken Wiens zählt.

Durch die Kolonisation und Missionierung der katholischen Kirche begann sich das Bild zu ändern. Mittlerweile wird eine gesamte Bevölkerungsgruppe durch verschiedene Medien als Drogendealer kriminalisiert. Sauer kritisiert beide Sichtweisen: "Die frühere Romantisierung von Afrika und die heutige Skandalisierung haben beide nichts mit der Realität zu tun." Scheinheilig empfindet er auch Initiativen, die sich "Afrika ist arm und braucht Hilfe" auf die Fahnen heften. Diese sogenannten Hilfswerke haben laut Sauer ein Interesse am schlechten Image von Afrika.

Anfangen könnte man bei den Medien: "Wir müssen den Boulevard erobern", so der Historiker. Clara Akinyosoye, Chefredakteurin von M-Media, kritisiert ebenfalls die Berichterstattung. "Es wird über Wahlen in Afrika nur berichtet, wenn es Unruhen gibt." In Österreich fehlt es vielen Journalisten an interkultureller Kompetenz, betont die Chefredakteurin. Schon in der Schule würde der Hauptbezug zu Afrika - mit Ausnahme des alten Ägypter - nur aus Entwicklungshilfe bestehen.