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Anti-Islam-Film vom Netz genommen

Von WZ Online

Politik

Wilders' Streifen halb so wild | Offizieller Protest des Iran | Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders dürfte sein Ziel erreicht haben. Sein groß angekündigter Kurzfilm "Fitna" ("Zwietracht") entpuppte sich zwar als weitgehend harmlose, blasphemische Tirade, doch die Gegenseite reagierte nach Drehbuch: Aufgrund von "ernsten Drohungen gegen Mitarbeiter" nahm das Portal LiveLeak.com den Streifen am Freitag Abend vom Netz.


"Das ist ein trauriger Tag für die Menschenrechte im Internet", erklärten die Betreiber der Site etwas übereilt. Mittlerweile ist der Film auf mehreren anderen Webservern aufgetaucht.

Der Film selbst ist harmloser, als es die Vorauspropaganda hatte vermuten lassen. Bei der Zeitung de Volkskrant löste er gar "Erleichterung" aus.

Unerschütterlich hält Wilders freilich in dem Streifen an seiner Auffassung fest, dass der Islam keine Religion sei, sondern eine Ideologie zur Eroberung der Weltherrschaft und Unterdrückung aller Andersgläubigen. Er fühlt sich berufen, die westliche Zivilisation vor diesem Untergang zu retten. Ums seine Position zu untermauern schneidet er fanatische Aussagen und schockierende Bilder zu einer polemischen Folge.

"Eine letzte Warnung" sei sein Film, sagte er dazu. Dass er mit seinen schrillen Tönen nicht nur Extremisten provoziert, sondern eine ganze Bevölkerungsgruppe in die Enge treibt, wie Kritiker ihm vorhalten, nimmt er in Kauf.

Wer wie Ministerpräsident Jan Peter Balkenende und viele andere in der Debatte über den Islam zur Mäßigung und zu Respekt aufruft, der ist für Wilders nur "schlapp" und "feige" oder hat sich sogar schon "auf die Seite der Taliban gestellt". Am Sitz von Parlament und Regierung in Den Haag hat Wilders nicht mehr viele Freunde. Doch das stört den Mann mit der seltsam gekämmten Diva-Frisur kaum. Er genießt die selbst gewählte Rolle als Einzelkämpfer gegen den Weltuntergang.

Einfache Parolen

Wilders setzt darauf, dass seine einfachen Parolen beim Wähler ankommen. Seine Partei kam bei der letzten Wahl im November 2006 immerhin aus dem Stand auf rund sechs Prozent, derzeit liegt sie in Umfragen bei bis zu zehn Prozent. Der Rat der Muslime, eine von mehreren Muslim-Organisationen in den Niederlanden, beklagte am Freitag, dass Beleidigungen nach Wilders' Art inzwischen salonfähig geworden seien.

Distanzierungen...

Die slowenische EU-Ratspräsidentschaft distanzierte sich von dem Film mit einer ausführlichen Stellungnahme: "Die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten wenden das Prinzip der Meinungsfreiheit an, das ein Teil unserer Werte und Traditionen ist. Es sollte aber in einem Geist von Respekt für Religionen sowie andere Glaubensrichtungen und Überzeugungen ausgeübt werden. Gegenseitige Toleranz und Respekt sind universelle Werte, die wir aufrecht halten sollen." Die Schlussfolgerung lautet : "Wir glauben, dass Werke wie der erwähnte Film keinem anderen Zweck dienen, als Hass zu entflammen."

Der niederländische Ministerpräsident Jan Peter Balkenende meinte: "Wir sehen nicht, dass damit etwas anderes bezweckt wird als das Verletzen von Gefühlen", der Fraktionsvorsitzende der regierenden Christdemokraten, Pieter van Geel, nannte den Film "gemein und verletzend". Eine Sprecherin der mitregierenden Sozialdemokraten sagte, Wilders stelle bereits bekannte Szenen so zusammen, dass sie "angsteinflößend" wirken. Die Zeitung de Volkskrant kommentierte, der Film gleiche den Propagandamethoden, mit denen totalitäre Regime Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufhetzen.

Der dänische Karikaturist Kurt Westergaard will gerichtlich gegen den Anti-Islam-Film vorgehen und sagte, er betrachte die Verwendung seiner Mohammed-Karikatur im Film Film als "Missbrauch". Er kündigte an, dass er per Einstweiliger Verfügung ein Verbot von Wilders' Film erreichen will. Auch die Zeitung Jyllands-Posten, in der die dänischen Mohammed-Karikaturen erschienen waren, distanzierte sich von dem Film.

...und Proteste

Das iranische Außenministerium sprach von einer "widerlichen Aktion" und von einem "Kreuzzug" westlicher Länder gegen den Islam. Der Iran hat am Sonntag den niederländischen Botschafter und den slowenischen Geschäftsträger einbestellt und offiziell gegen den Streifen protestiert.

Die Regierung von Bangladesch verurteilte die Veröffentlichung "auf das Schärfste" und drohte mit "schweren Folgen". In Indonesien bezeichnete ein Sprecher des Außenministeriums den Streifen als "irreführend und voller Rassismus".

Hochrangige Vertreter der jordanischen Medien kündigten am Freitag gerichtliche Schritte gegen den 15-minütigen Streifen an. Ein Sprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Medienvertreter strebten einen Prozess gegen Wilders vor einem jordanischen Gericht an. Außerdem sei eine Kampagne für den Boykott niederländischer Produkte geplant.

In Pakistan kam es zu Protestkundgebungen islamischen Partei Jamat-e-Islami, bei denen - wohl im Sinne Wilders - der Fehdehandschuh aufgenommen wurde. Es waren Parolen wie "Nieder mit Hollad! Nieder mit dem Westen!" zu hören.

(Quellen: APA, Reuters, EU, LiveLeak)

Siehe auchInterview mit Wilders: 'Koran ist ein faschistisches Buch'