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Anti-Terror-Profi wird neuer Chef der Staatsschützer

Von Werner Grotte

Politik

Peter Gridling war sechs Jahre bei | Europol-Führung. | Erste Feuerprobe: Die Fußball-EM. | Wien. Das Postenkarussell in der Exekutive dreht sich weiter: Nach dem Bundeskriminalamt (BK) haben nun auch die Staatsschützer einen neuen Chef. Der 50-jährige Tiroler Peter Gridling, zuletzt sechs Jahre in leitender Funktion der "Europol" im holländischen Den Haag, wird per 1. März Leiter des BVT (Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung). Der erfahrene Anti-Terror-Spezialist löst Vorgänger Gert-René Polli ab, der unter anderem wegen angeblicher Nähe zu iranischen Waffengeschäften unter politischen Beschuss geriet.


Seiner ersten großen Aufgabe, der Sicherung der Fußball-EM, sieht sich Gridling gewachsen: "Ich übernehme ja hier ein in seiner Konzeption modern aufgestelltes Amt, bei dem es nun gilt, alle Reformschritte konsequent abzuschließen oder nachzujustieren", wie er es gegenüber der "Wiener Zeitung" formuliert.

Die Rückkehr von der internationalen Bühne nach Österreich sieht er nicht als Rückschritt: "Dort war ich Führer einer europäischen Anti-Terror-Truppe, hier bin ich Leiter eines Amtes für Staatsschutz; das sind zwei ganz unterschiedliche Aufgaben und ich freue mich sehr auf diese Tätigkeit", so der Jurist, der sein Studium - ähnlich dem gerade abgesetzten Ex-BK-Chef Herwig Haidinger - quasi "nebenbei" zum Brotberuf als Tiroler Gendarm absolvierte.

Zur Staatspolizei im Innenministerium kam er 1992, als man ihm die Leitung des Referates zur Extremismusbekämpfung übertrug. 1995 wurde er Chef der EBT (Einsatzgruppe zur Bekämpfung des Terrorismus), wo er speziell an der Aufklärung der Briefbomben-Serie arbeitete. 2002 schließlich setzte er sich gegen internationale Mitbewerber durch und avancierte zum Leiter der Europol-Anti-Terroreinheit.

"Müssen wachsam sein"

Der Vater zweier erwachsener Söhne gilt zwar als medienscheu, aber auch als gefragter Fachtagungsreferent zum Thema Extremismus, Terror und Gegenstrategien. Die Lage in Österreich schätzt Gridling derzeit nicht als "explosiv" ein, es gelte aber "wachsam zu sein: Ein paar Radikale, die mit Sprengstoff hantieren, finden sich schnell; das zeigen die jüngsten Erfahrungen aus Spanien, Deutschland oder England".