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Arabiens Finanzbranche entdeckt die Frauen

Von Judith Hornok

Wirtschaft
Sheikha Hanadi wurde 2006 im Mittleren Osten zur Woman CEO of the Year gekürt und ist gleichzeitig in drei Führungspositionen tätig. Foto: hornok

Einkommen der Frauen steigen. | Immer mehr Anlegerinnen an der Börse. | Doha. Dass Frauen eine finanzkräftige Zielgruppe der Zukunft sind, wissen die Bewohner des kleinen arabischen Staates Qatar schon längst. Die Finanzexpertin Sheikha Hanadi ist das beste Beispiel: 1996, gerade aus London mit dem zweiten Master-Degree zurückgekehrt und als Lehrbeauftragte für Wirtschaft an der Qatar University tätig, erkannte die damals 26-Jährige, dass es bei den weiblichen Qataris aus der Mittelschicht in Sachen Investment große Nachfrage gab. Die Frauen verfügten zwar über hohe Geldbeträge, die sie eigenständig verwalteten, wussten aber nicht, diese ertragreich anzulegen.


"Sie waren sehr interessiert und fragten: Kann ich auch meinen Mann mitbringen?" Nach einem Jahr waren 50 Prozent von Sheikha Hanadis Kunden ihrer Firma "Qatar Ladies Investment Company" Männer. Daraus entstand 1998 das Investmenthaus Amwal.

Frauen vertrauen in Qatars Börse

Neben dessen Leitung ist die Sheikha heute Generaldirektorin der "Al Waab City", eines 1,4 Millionen Quadratmeter umfassenden Stadtentwicklungsprojekts in Qatar sowie Vizepräsidentin der Nasser Bin Khaled & Sons Holding Group. Wie Sheikha Hanadi genießen immer mehr arabische Frauen eine gute Ausbildung. Inzwischen erhalten etwa 85 Prozent der Mädchen in den Emiraten eine Schulausbildung. Rund 15.000 sind an den Universitäten eingetragen.

Dadurch gelangen immer mehr Frauen in höhere Positionen, verdienen mehr und fragen Anlageprodukte nach. "Schon jetzt handeln 10 Prozent Frauen mit ihrem eigenen Vermögen an der Börse in Qatar. Und weitere 25 Prozent lassen sich von Familienmitgliedern ihr Vermögen anlegen", erzählt der Börsen-Experte Hassan Al Baker, Chef-Broker der Qatar Security Company. "Sollte der Markt weiterhin so konstant bleiben, ist die Tendenz steigend".

Frauen hätten Vertrauen in das kontinuierliche Wachstum der qatarischen Börse gewonnen, sagt er - auch deshalb, weil es sich hier ausschließlich um einheimische Unternehmen handelt, die man kennt". Vor allem der Bankenbereich ziehe im Moment die größte Aufmerksamkeit der qatarischen Anlegerinnen auf sich.

Anlage in Immobilien in Dubai

Auch die Fondsgesellschaft Forsa mit Sitz in Dubai hat diese Tendenz erkannt. Gemeinsam mit TNI, einer der größten Anlageberatungsfirmen in den Golfstaaten, wurde der weltweit erste Fonds nur für Frauen entwickelt. "Forsa Real Estate 1" besteht zur Gänze aus Immobilienprojekten in Dubai: "Real Estate ist ein Bereich, der besonders interessant für Frauen ist", erklärt Leena Al Abbas, Director Marketing & Communications Forsa.

Ein zweiter Fonds im Umfang von 40 Mio. Euro ist bereits in Vorbereitung. Und auch hier sollen ausschließlich lokale Unternehmen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten auf der Einkaufsliste stehen. In Zukunft seien jedoch auch internationale Investments möglich, erklärt Abbas.

200.000 Euro als Minimum

Kauffreudige Europäerinnen müssen sich im Moment noch etwas gedulden - beide Fonds stehen zum jetzigen Zeitpunkt nur Frauen aus den Emiraten und den Golfstaaten zur Verfügung. Das Minimum-Investment beträgt 200.000 Euro.

Ausreichend Kapital für solche Anlage-Produkte scheint bei den arabischen Frauen jedenfalls vorhanden zu sein. Allein das Businesswomen Council, eine der ersten Business-Frauen-Vereinigungen der Emirate, verfügt mit seinen über 10.000 Mitgliedern schon jetzt über ein geschätztes Investment von über 2,5 Mrd. Euro - Tendenz steigend.