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Arabische Airlines drängen nach Europa

Von Veronika Eschbacher

Wirtschaft

Fluglinie Qatar Airways tritt der Oneworld-Allianz bei.


Doha. In der Luftverkehrsbranche ist dies wohl der Coup des Jahres: Die Fluglinie Qatar Airways tritt dem Bündnis Oneworld bei. Als erste Allianz überhaupt nimmt Oneworld somit eine der drei großen Fluglinien aus dem Nahen Osten als Mitglied auf. Die anderen arabischen Fluglinien schlafen unterdessen aber keinesfalls. Sie bevorzugen jedoch andere Wege, um sich am europäischen Markt in Stellung zu bringen. Lufthansa und Co. können einstweilen nur zusehen.

Wie nun bekannt wurde, tritt Qatar dem Bündnis um British Airways bei und macht mit ihrem Drehkreuz Doha eine Reihe Destinationen in Indien, Südostasien und dem Nahen Osten für die Mitglieder der Allianz erreichbar. Als Partner ist Qatar für Oneworld sehr wichtig. Momentan fliegt die Fluglinie mit 111 Fliegern 118 Destinationen an, sechs neue sollen in den nächsten Monaten hinzukommen. Der Expansionskurs ist gigantisch: Qatar Airways hat über 250 Jets bestellt.

Neue Entwicklung

Für Marktbeobachter ist der nun erfolgte Beitritt zwar nicht ganz überraschend, die Entwicklung aber doch neu. "Bisher hieß es vonseiten arabischer Fluglinien immer, man werde aus eigener Stärke wachsen, brauche keine Bündnisse", so ein Branchenkenner zur "Wiener Zeitung".

Während Qatar somit doch den Weg über Bündnisse wählt, umschifft der Branchenkollege Etihad Airways aus Abu Dhabi bewusst den Beitritt zu Allianzen. Etihad verfolgt eine Strategie der Minderheitsbeteiligungen und Codeshare-Abkommen auf aller Welt. So etwa hält die Fluglinie eine Beteiligung von 29 Prozent an Air Berlin und hat Dienstag das mittlerweile vierzigste Codeshare-Abkommen mit Air France abgeschlossen. "Oneworld ist sekundär", hatte Etihad-Chef James Hogan in der vorigen Woche gesagt.

Für die konkurrierenden Bündnisse erhöht sich nun der Druck. Einen vergleichbar großen Partner in der Boomregion zu finden, dürfte schwierig werden, denn: Etihad sieht darin keine Priorität und Emirates schweigt sich generell über seine Pläne aus.

Ungemütlich sind die Entwicklungen vor allem für die Lufthansa, die genau so wie Austrian Airlines dem weltgrößten Luftfahrtbündnis Star Alliance angehört. Mit Etihad etwa fasst einer ihrer schärfsten Wettbewerber vom Golf nun noch stärker in Europa Fuß. Die deutsche Airline kritisiert die schnell wachsenden Fluggesellschaften aus dem Nahen Osten. Diese hätten einen unfairen Vorteil, da sie in staatlichem Besitz sind und von ihren Heimatstaaten umfangreich unterstützt werden.

"Die strategische Bedeutung solcher Kooperationen steigt natürlich", so Patricia Strampfer von der Lufthansa-Tochter Austrian Airlines zur "Wiener Zeitung". Aktuell kooperiere man mit 39 Codeshare-Partnern, führe aber laufend Gespräche mit potenziellen Partnern. Ob darunter auch arabische Fluglinien wären, wollte man nicht beantworten. Zu den europäischen Ambitionen der Konkurrenz aus dem Arabischen Raum meint Strampfer schlicht: "Wettbewerb ist überall."