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Arbeit statt Aufstand für die Taliban

Von WZ-Korrespondentin Agnes Tandler

Politik
Mit einem Beschäftigungsprogramm will Afghanistans Regierung den Guerillakrieg eindämmen. Foto: ap/B. Linsley

Programm soll mehr als eine Milliarde Dollar kosten. | USA unterstützen Aussöhnungsprozess. | Neu Delhi. Die Taliban "gehören zur politischen Struktur Afghanistans", stellte der amerikanische Verteidigungsminister, Robert Gates, am Freitag nüchtern fest. Die Zeichen am Hindukusch stehen auf Versöhnung mit den aufständischen Extremisten: Afghanistans Regierung will 35.000 Taliban-Kämpfern Job oder Ausbildung verschaffen, um den Guerilla-Krieg gegen die westlichen Truppen am Hindukusch einzudämmen.


Das Programm mit Kosten in Höhe von mehr als einer Milliarde US-Dollar stelle einen wichtigen Teil des Versöhnungsprozesses mit den Taliban dar, berichtete "Radio Free Afghanistan". Präsident Hamid Karzai zeigte sich in einem Interview mit der BBC zuversichtlich, dass der Westen ein entsprechendes Konzept finanziell unterstützen werde.

Frühere Versuche der afghanischen Regierung, mit den Aufständischen zu verhandeln, waren ins Leere gelaufen, weil Überläufern weder Sicherheit noch finanzielle Anreize geboten wurden. Auch im Westen wird der Ruf nach Verhandlungen mit den Taliban immer lauter. Ziemlich sicher wird es auch auf der internationalen Afghanistan-Konferenz in London am 28. Januar um dieses Thema gehen.

Wiedereingliederung der 10-Dollar-Taliban

"Die Frage ist, was wollen die Taliban aus Afghanistan machen", sagte US-Verteidigungsminister Gates. Die radikal-islamischen Kämpfer müssten ihre Waffen niederlegen und eine legitime Rolle im politischen Alltag spielen, etwa an Wahlen teilnehmen. Gates sprach sich für eine Wiedereingliederung der sogenannten "Zehn-Dollar-Taliban" aus, die nur aus wirtschaftlicher Not gegen die westlichen Truppen kämpfen: "Wenn wir ihnen Jobs anbieten können, wenn wir ihren Familien Sicherheit geben, dann, so glauben wir, könnten einige dieser Kämpfer reintegriert werden".

Der Aussöhnungsprozess zwischen der afghanischen Regierung und Teilen der Taliban-Kämpfer stehe "hoch auf unserer persönlichen Prioritätenliste", erklärte auch der US-Sondergesandte für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, jüngst. Außenministerin Hillary Clinton nannte die Unterstützung des afghanischen Landwirtschaftssektors und die Reintegration von Extremisten in die Gesellschaft als Ziele der zivilen Strategie für Afghanistan.

Die USA und die Nato sind dabei, ihre Truppen am Hindukusch zu verstärken, wollen jedoch ab 2011 mit dem Abzug beginnen. Teil der Exit-Strategie ist die Stärkung der afghanischen Armee und Polizei, die schrittweise immer mehr Aufgaben der westlichen Sicherheitskräfte übernehmen sollen.

Beobachter gehen seit längerem davon aus, dass die Taliban nach dem Abzug der westlichen Truppen wieder eine größere politische Rolle in Afghanistan spielen werden. Hinter den Kulissen werden schon seit geraumer Zeit Möglichkeiten ausgelotet, mit bestimmten Fraktionen der militanten Extremisten ins Gespräch zu kommen.

Berliner Debatte um Afghanistan-Strategie

In der Debatte über die künftige Afghanistan-Strategie hat sich der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg gegen die Festlegung eines Abzugstermins gewandt, wie ihn die oppositionelle SPD fordert. Es solle jetzt nicht leichtsinnig mit Enddaten hantiert werden, sagte der Minister. Die SPD verlangt, dass der Abzug der deutschen Truppen im Sommer 2011 beginnt und zwischen 2013 und 2015 abgeschlossen wird. Weiters stellten SPD-Chef Sigmar Gabriel und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier zur Debatte, ob die seit 2007 im Einsatz stehenden Tornado-Luftaufklärer der Bundeswehr nicht abgezogen werden sollten.