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Arbeitslosengeld in Österreich: Geringer Einstieg, dafür kein Absturz

Von Claudia Peintner und Hermann Sileitsch

Wirtschaft
Welcher Weg führt aus der Langzeitarbeitslosigkeit? Foto: bilderbox

Geringverdienende Alleinerzieher und Singles im Nachteil. | OECD rät: Mehr Geld für Kinderbetreuung statt höheres Arbeitslosengeld. | Wien. Wer in Österreich seinen Job verliert, erhält anfangs zwar relativ niedrige Zahlungen. Dafür nehmen diese aber für Langzeitarbeitslose - im Unterschied zu anderen Ländern - kaum weiter ab. Das ergab ein Vergleich der Arbeitslosengelder, den die Industriestaatenorganisation OECD in 30 Ländern durchführte. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Alleinerzieher und Singles mit einem geringen Einkommen sind in der Arbeitslosigkeit hierzulande finanziell deutlich schlechter gestellt.


Allgemein fällt das OECD-Zeugnis für Österreich positiv aus: "Die Absicherung für Arbeitslose, die in der Arbeitslosenversicherung drinnen sind, ist in Österreich sehr gut", lobt OECD-Experte Herwig Immervoll. Der niedrige Einstieg motiviere zur Jobsuche: "Der Betrag, den man bekommt, sollte nicht zu hoch sein, sonst ist der Anreiz zur Arbeitsplatzsuche niedrig", so Immervoll.

Mehr Arbeitslosengeld oder rasch neuer Job?

Gernot Mitter, Arbeitsmarktexperte der Arbeiterkammer, sieht das anders: "Wenn eine Verkäuferin als Teilzeitkraft rund 600 Euro verdient, bekommt sie in der Arbeitslosigkeit 55 Prozent dieses Betrages." Das sei nahe an der Geringfügigkeitsgrenze und damit sozial diskriminierend. Das Szenario setze sich bei der Notstandshilfe fort: Dem Experten ist es ein Dorn im Auge, dass für deren Bemessung das Einkommen des Lebensgefährten angerechnet wird. Die Konsequenz: "Rund 20.000 Antragsteller pro Jahr bekommen eine Abweisung, darunter vor allem Frauen."

Die Arbeiterkammer fordert eine Erhöhung der Nettoersatzrate von 55 Prozent des letzten Einkommens auf 60 Prozent.

Arbeitsmarktexperten des Institutes für Höhere Studien (IHS) warnen hingegen davor, die "Arbeitslosenunterstützung als Mittel der Sozialmarktpolitik" zu benützen. Ulrich Schuh und Helmut Hofer vom IHS empfehlen, den Fokus auf rasche Integration in den Arbeitsmarkt zu legen. Die finanziellen Zuwendungen sollten nicht in ein höheres Arbeitslosengeld fließen, sondern in die Lohn-Subvention für niedrig bezahlte Jobs, in die Förderung von Trainingsmaßnahmen oder in Mobilitätsprämien.

Gerade für Alleinerzieher sei die Hürde für den Wiedereinstieg ins Erwerbsleben hoch, sagt OECD-Experte Immervoll: Nach seiner Meinung sind deshalb mehr Investitionen in die Infrastruktur notwendig - etwa in flächendeckende Kinderbetreuungseinrichtungen und Gratis-Kindergärten.

Sozialminister Rudolf Hundstorfer will aktuell hingegen besonders Langzeitarbeitslose und Familien mit Kindern unterstützen. So soll etwa die "Aktion 4000" auf 10.000 Teilnehmer ausgeweitet werden: Bei der Einstellung von Langzeitarbeitslosen durch karitative oder Gemeindeeinrichtungen übernimmt die öffentliche Hand bis zu 75 Prozent der Lohnkosten.

Ein weiteres Vorhaben des Sozialministers: Die Kinderzuschläge zum Arbeitslosengeld sollen erhöht und Familien mit geringem Arbeitslosengeld unterstützt werden. Laut OECD weist Österreich in beiden Bereichen im internationalen Vergleich keine besonders wunden Stellen auf. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen (Menschen, die länger als 12 Monate ohne Arbeit sind) liegt mit einem Viertel der Gesamtarbeitslosen im OECD- und deutlich unter EU-Schnitt. In Deutschland sind es 50 Prozent.

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei arbeitslosen Familienerhaltern: Für heimische Arbeitslose mit Kindern ist die soziale Absicherung gemessen am OECD-Schnitt deutlich höher.