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Arbeitslosigkeit geht zurück

Von Christine Zeiner

Wirtschaft

Wirtschaft wächst. | Wifo: Schulungen massiv ausgeweitet - keine Trendwende. | Wien. Üblicherweise werden die Arbeitsmarktdaten zu Monatsbeginn bekannt gegeben. Diesmal ließ die ÖVP schon am 29. September per Zeitungsinserat wissen, dass die aktuellen Zahlen am Freitagabend auf der Homepage des Wirtschaftsministeriums veröffentlicht würden.


Bis dahin waren die Daten der einzelnen Stellen des Arbeitsmarktservice eingetroffen und für eine erste Gesamtzahl ausgewertet. Demnach waren im September 196.500 Personen in Österreich arbeitslos gemeldet - 24.000 weniger als im September 2005. "Die Wirtschaftslage ist gut und die Schulungen wurden massiv ausgeweitet", lautet die Erklärung von Ulrike Huemer, Expertin im Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) für den Rückgang. Von einer "Trendwende", wie dies Wirtschaftsminister Martin Bartenstein sieht, will Huemer nicht sprechen. "Das ist ein sehr starker Ausdruck, der dann stimmen würde, wenn die Arbeitslosigkeit zurückginge, ohne dass es zusätzliche Schulungen gäbe", sagt Huemer.

Im vergangenen Herbst wurde das "Qualifizierungspaket" verabschiedet, und dieses habe gut gegriffen, hatte Bartenstein Ende Juli erklärt. Ein Großteil der zusätzlich zu fördernden Personen wird also bereits gefördert - etwa im Rahmen von Eingliederungsbeihilfen für Wiedereinsteigerinnen oder speziellen Kurse für Jugendliche. Personen, die Schulungen besuchen, scheinen in der offiziellen Arbeitslosenstatistik nicht mehr auf.

Geschult sei besser als untätig zuhause zu sein, meinen Ökonomen. Die Chancen, einen Arbeitsplatz zu bekommen, verringern sich aber, je kürzer die Qualifizierungsmaßnahme dauere, sagt Ewald Walterskirchen vom Wifo. "Der Effekt ist oft fraglich."

Die Opposition kritisiert jedenfalls die durch die Schulungen "geschönten" Zahlen - und weist in diesem Zusammenhang auch auf den Anstieg der Teilzeitbeschäftigung hin. Tatsächlich ist diese zuletzt laut Statistik Austria marginal zurückgegangen. "Es ist aber eine Illusion zu glauben, dass diese künftig weniger wird", meint Huemer.

Größter Stellenzuwachs bei Leiharbeitsfirmen

Der Arbeitsmarkt profitiert derzeit wesentlich von der Konjunktur. Ab einem Wachstum von 2,5 Prozent steigt laut Wirtschaftsforschern auch die Zahl der Beschäftigten. Vom Aufschwung profitieren laut Arbeitsmarktservice fast alle Branchen. Jene, die den größten Zuwachs an Beschäftigten verbucht, ist in der Statistik mit dem Namen "unternehmensnahe Dienstleistungen" erfasst. Darunter fallen neben Copy Shops, Steuer- und Rechtsberater, Inkasso- oder Architekturbüros vor allem Leiharbeitsfirmen.

Für heuer gehen Prognosen von einem Wirtschaftswachstum von 3 Prozent aus - Österreich liegt damit besser als der europäische Schnitt. "Das höhere Wachstum der vergangenen Jahre war zum Teil durch den günstigen Einfluss der Ostländer bedingt. Etwas wettgemacht wird der Effekt allerdings vom Westen, etwa wenn es Ländern wie Italien schlecht geht", sagt Walterskirchen. Auf das Wachstum des Euroraums könne Österreich kaum Einfluss nehmen, auf die Weltwirtschaft noch weniger.

Allerdings habe die Regierung dazu beigetragen, dass "wir relativ positiv dastehen". Als Beispiele nennt Walterskirchen Investitionen in die Infrastruktur wie in Schiene und Straße, etwa in die Schig und Asfinag. Doch hier sieht Karl Öllinger, Sozialsprecher der Grünen, ein verdecktes Problem: Beide Gesellschaften hätten hohe Schulden, die auf die Konsumenten zurückschlagen könnten.