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Arbeitslosigkeit steigt, aber weniger dramatisch

Von Eva Stanzl

Wirtschaft

OECD: Doch keine Rekordarbeitslosigkeit. | Österreich unter besten drei Ländern. | Paris/Wien. Erst vor wenigen Wochen schlug die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Alarm: Eine Rekord-Arbeitslosigkeit von zehn Prozent sei zu erwarten, wenn sich die ersten Anzeichen für einen Aufschwung nicht festigten, hieß es.


Nun rudern die Experten zurück: "Wir waren zu wenig optimistisch", sagt OECD-Ökonom Paul Swaim zur "Wiener Zeitung". Jüngste Statistiken zeigen: Die Arbeitslosigkeit steigt zwar immer noch, aber bedeutend langsamer als befürchtet.

Zur Veranschaulichung: Von März auf April war die Arbeitslosigkeit in den 30 OECD-Mitgliedstaaten von 7,9 Prozent auf 8,1 Prozent geklettert, im Mai ging es weiter steil bergauf auf 8,4 Prozent. Im Juni sahen die Statistiker hingegen nur noch einen moderaten Anstieg auf 8,5 Prozent, und im August waren 8,6 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung ohne Job.

"Die jüngsten Frühindikatoren zeigen, dass sowohl die Industrieproduktion als auch die Aktien- und Finanzmärkte sich nachhaltiger erholen als wir vermutet hatten", erklärt Swaim. Folglich sei ein verbesserter Zugang zur Finanzierung zu erwarten, wodurch neue Projekte möglich und Mitarbeiter gebraucht würden.

Sozialpartner

Die OECD-Berechnungen beruhen auf Umfragen der Statistikbehörde Eurostat und zeigen einen Querschnitt all jener, die auf Jobsuche sind. Die nationale Statistik in Österreich orientiert sich an Meldungen beim Arbeitsmarktservice.

Die höchste Arbeitslosenrate hat laut OECD Spanien mit 18,9 Prozent, gefolgt von Irland mit 12,5 Prozent. Spanien sei in Europa am härtesten von der Immobilienblase getroffen und hätte eine traditionell hohe Arbeitslosenrate. Die USA, wo die Blase ihren Ausgang nahm, seien dagegen mit 9,7 Prozent bessergestellt, weil sie vor der Krise eine vergleichsweise niedrige Arbeitslosigkeit gehabt hätten. Ähnliches gelte für Deutschland, das mit 7,7 Prozent im Mittelfeld liegt. Aufgrund von Systemreformen und Kurzarbeit wurde hier die Arbeitslosigkeit gegenüber 2006 (9,8 Prozent) sogar gesenkt. Unter den besten drei OECD-Ländern liegt Österreich mit 4,7 Prozent Arbeitslosigkeit.

Swaim schreibt dies der weitgehend gut funktionierenden und ausgedehnten Zusammenarbeit der Sozialpartner zu. Besser stehen nur die Niederlande mit 3,5 Prozent und Südkorea mit 3,8 Prozent da.