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Arbeitsplatz Lkw: Wenig Geld für gefährlichen Job

Von Veronika Gasser

Wirtschaft

Der Arbeitsplatz Lkw hat die schlechtesten Arbeitsbedingungen. Das geht aus einer gestern präsentierten Studie des VCÖ (Verkehrsclub Österreich) hervor. Das Risiko, bei einem Arbeitsunfall tödlich zu verunglücken, ist siebenmal höher als in einem Angestelltenverhältnis. Die Gefahr, an Lungenkrebs zu erkranken, ist 65% höher. Und das Risiko steigt: 2003 starben 42 Lkw-Lenker auf Österreichs Straßen, 1999 waren es noch 27.


Wer einen Lkw beruflich lenken muss, lebt gefährlich und wird überdies schlecht bezahlt. In Österreich gibt es laut Schätzungen der AK 185.000 Berufskraftfahrer, darunter fallen auch Buslenker und Werkverkehrsfahrer. Für den klassischen Lkw-Fernverkehr sind rund 85.000 Personen unterwegs.

Sie gelten jedoch als "tickende Zeitbomben auf Rädern". Denn die Arbeits- und Sicherheitsvorschriften werden weitgehend umgangen. "Lkw sind tödliche Unfallgegner. Insgesamt endete jeder 15. Verkehrsunfall mit einem Laster mit zumindest einem Toten," zitierte VCÖ-Experte Wolfgang Rauh aus der Unfallstatistik. Fast ein Viertel der Lkw-Unfälle ist auf Unaufmerksamkeit oder Sekundenschlaf wegen Übermüdung zurückzuführen. Ein weiteres Viertel resultiert aus Stress.

40 Stunden hinterm Steuer

Sylvia Leodolter, Leiterin der AK-Abteilung Verkehr und Umwelt berichtet davon, dass oftmals Fahrer von der Polizei aufgehalten werden, die durchgehend 40 Stunden chauffiert hätten. Meist seien die Lenker sogar froh, dass sie am Weiterfahren gehindert würden und endlich die dringend benötigte Arbeitspause machen könnten. Gesetzlich erlaubt ist eine wöchentliche Lenkzeit von 56 Stunden. Im internationalen Verkehr seien jedoch 70 bis 100 Stunden keine Seltenheit.

Ein sehr niedriges Grundgehalt verbunden mit einem undurchsichtigen Prämiensystem auf Basis der gefahrenen Kilometer seien die Druckmittel, mit denen die Fahrer dazu gebracht würden, ihr und das Leben anderer Verkehrsteilnehmer aufs Spiel zu setzen, erklärte Leodolter.

Der Druck im Transportgewerbe ist groß, weiß die AK-Expertin. Denn durch die EU-Erweiterung sind die Preise wegen der niedrigeren Personalkosten im Osten weiter gefallen. Der VCÖ hat eruiert, dass die Transportpreise in Österreich seit 1994 um 30% gesunken sind. Ursachen sind laut Rauh die illegalen Praktiken, mit denen viele Frächter ihre Personalkosten massiv drücken würden.

Denn mangelhafte Kontrollen und die Höchststrafe für Arbeitszeitüberschreitung von 2.180 Euro erleichterten den Sozialbetrug. Großen Innovationsgeist beweisen die Unternehmer außerdem, indem sie immer öfter Laster einsetzen würden, die weniger als 3,5 Tonnen wiegen und damit den Kontrollen entgehen.

In Deutschland oder Frankreich würde mindestens doppelt so oft wie in Österreich kontrolliert. Manche Frächter geben deshalb ihren Fahrern die Anweisung, eine Route abseits von Deutschland zu wählen. Bei Einhaltung aller Arbeitsstandards und Sicherheitsvorschriften müssten die Kosten für Lkw-Transporte im Schnitt um 50% höher sein, rechnete Rauh vor.

Neuer Frächterskandal in NÖ

Laut AK wurde ein neuer Frächterskandal in Niederösterreich bekannt: Ein Unternehmer mit rund 100 Lkw habe keinen einzigen Lenker beschäftigt. Stattdessen habe die Frau des Unternehmers eine Firma in Großbritannien gegründet und die Fahrer an ihren Mann verleast. Durch die "teils illegale Firmenkonstruktion hat das Unternehmen österreichische Gesetze umgangen und sich Sozialabgaben erspart", so Leodolter. Derzeit laufe ein Verfahren gegen den Frächter. Arbeitsinspektorat, Gewerbebehörde, Finanzamt und Sozialversicherung hätten sich des Falles angenommen. Die AK geht jedoch davon aus, dass solche Praktiken kein Einzelfall sind. Seit dem Frächterskandal im Jahr 2002, bei dem als Drahtzieher der Groß-Spediteur Karl Kralowetz den Ermittlern ins Netz ging, hätten sich die Bedingungen keineswegs verbessert.

Die AK-Expertin berichtet weiters von einem burgenländischen Spediteur, der ausschließlich ungarische Grenzgänger beschäftige. Möglich sei dies durch das Grenzgängerabkommen. Dieses erlaube nur den Einsatz der Fahrer in Österreich, sie würden jedoch auch von Spanien nach Großbritannien fahren müssen. Und das zum niedrigsten Lohn. VCÖ-Experte Rauh geht davon aus, dass die Ungarn gerade 900 Euro brutto verdienen würden - die unterste Grenze des Kollektivvertrags.

Die AK fordert deshalb schärfere Kontrollen sowie härtere Strafen für Sozialbetrüge à la Deutschland. Ein wenig Hoffnung setzen VCÖ und AK auch in die EU-Kontrollrichtlinie, die dieses Jahr beschlossen werden soll.