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Arcandor vorerst ohne Konzept

Von WZ Online

Wirtschaft

Wenig Chancen auf Hilfe aus dem Deutschlandfonds | Gespräche beim Kartellamt über Fusion von Kaufhof und Karstadt | Für den angeschlagenen Arcandor-Konzern und seine Tochterfirma Karstadt schaut es düster aus: Dem Antrag auf einen Notkredit über 437 Mio. Euro folgte am Freitag ein Spitzentreffen im deutschen Wirtschaftsministerium, das jedoch ohne Ergebnis blieb.


An dem Krisentreffen unter Leitung von Wirtschaftsstaatssekretär Walther Otremba hatten neben Vertretern der Eigentümer, Gläubiger und Banken auch die Spitzen des Arcandor- sowie des Metro-Konzerns teilgenommen. Metro will seine Warenhauskette Kaufhof mit Karstadt fusionieren. Branchenbeobachter halten den Plan angesichts der dramatischen roten Zahlen bei Arcandor für immer wahrscheinlicher.

Die Großaktionäre von Arcandor sind Kreisen zufolge zu einem größeren Rettungsbeitrag für den Karstadt-Mutterkonzern bereit. Sal. Oppenheim und der Pool um die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz hätten am Freitag in Verhandlungen mit Vertretern von Bundesregierung, Unternehmen und Banken signalisiert, mehr frisches Eigenkapital zuzuschießen, sagte eine informierte Person aus dem Umfeld von Sal. Oppenheim.

Demnach würden die Haupteigner gemäß ihren Beteiligungen nun eine Arcandor-Kapitalerhöhung in Höhe von 150 Mio. Euro mittragen. Bisher war von 100 Millionen die Rede gewesen. Der Person zufolge dürfte der bisher zusätzlich erwogene Kredit von Sal. Oppenheim für Arcandor damit wohl nicht mehr nötig sein. Darüber werde aber noch verhandelt. Im Gespräch war bisher ein Darlehen über 70 Mio. Euro.

Mit dem beantragten Notkredit will Arcandor/Karstadt sein Überleben für die nächsten Monate sichern. Einen entsprechenden Antrag auf Rettungsbeihilfen hat das Unternehmen bei der staatlichen KfW Bankengruppe gestellt. Das Geld, das auch die EU-Kommission billigen muss, solle die Liquidität für zunächst sechs Monate ermöglichen.

Staatssekretär Otremba sagte nach dem gut zweistündigen Gespräch, es seien verschiedene Lösungsansätze besprochen worden. Dazu gehöre auch ein mögliches Zusammengehen mit Metro oder auch ein Alleingang von Arcandor. Die Eigentümer seien bereit, einen Beitrag zu leisten, sagte Otremba, ohne Details zu nennen. Über eine Brückenfinanzierung werde weiter beraten. Arcandor droht nach eigener Aussage die Insolvenz, wenn die überlebensnotwendige Finanzierung nicht bis zum 12. Juni steht. Zu diesem Zeitpunkt läuft ein 650-Millionen-Euro- Kredit aus.

Die finanzielle Stabilisierung des Unternehmens sei Voraussetzung für die Aufnahme von Gesprächen über ein gemeinsames Konzept mit der Metro AG, teilte Arcandor in Essen mit. Unabhängig vom Kreditantrag bemüht sich Arcandor beim Bund weiter um eine Staatsbürgschaft in Höhe von 650 Millionen Euro aus dem "Wirtschaftsfonds Deutschland".

Eine Hilfe aus dem Deutschlandfonds für notleidende Unternehmen galt zuletzt aber als sehr unwahrscheinlich, da Arcandor ein wichtiges Kriterium nicht erfüllt. So wird bezweifelt, dass das Unternehmen erst mit der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise und in Schieflage geraten ist. Rettungsbeihilfen als Alternative hatte auch Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) angeregt.

Folge kann dann allerdings ein drastischer Kapazitätsabbau sein. Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick betonte, Guttenberg und Vize-Kanzler Frank Walter Steinmeier (SPD) hätten dem Unternehmen "in persönlichen Gesprächen die Hand gereicht und uns diese Lösung empfohlen".

Die Bundesregierung favorisiert eine privatwirtschaftliche Lösung. Sie erwartet ein stärkeres Engagement der Arcandor-Eigentümer wie der Familie Schickedanz und der Privatbank Sal. Oppenheim. Beide zusammen halten etwa 60 Prozent der Anteile. Die Eigentümer hätten aus Sicht von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) Mittel und Möglichkeiten, um dem Unternehmen zu helfen, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg.

Nach den bisher bekannten Fusionsplänen sollen Karstadt und Kaufhof zu einer "Deutschen Warenhaus AG" unter Kaufhof-Führung zusammen gelegt werden. Karstadt und Kaufhof kommen insgesamt auf mehr als 200 Filialen. Metro-Berechnungen zufolge werden vermutlich rund 40 Warenhäuser auf der Strecke bleiben. Neben 30 Karstadt- Häusern dürften aber auch 10 Kaufhof-Filialen wegfallen. Für einige der Häuser gibt es Interesse von anderen Handelsketten.

Metro hat beim deutschen Bundeskartellamt erste Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss der Warenhäuser geführt. Arcandor hat nach Angaben eines Unternehmenssprechers derzeit rund 2,6 Milliarden Euro Schulden. Ein im April vorgestelltes Sanierungskonzept sah bereits die Auslagerung von rund 10.000 der 82.000 Stellen vor. (APA)