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Archäologische Sensationen in China

Von Robert J. Saiget

Wissen

Ein fast 3000 Jahre alter Friedhof ist nur eine der spektakulären Entdeckungen. | Yangshe. (afp) In dem abgelegenen chinesischen Dorf Yangshe haben Wissenschafter Schritt für Schritt eine archäologische Sensation zutage gefördert. In dem Ort der nordchinesischen Provinz Shanxi am Ufer des Gelben Flusses fanden die Forscher einen vor fast 3000 Jahren angelegten Friedhof mit Streitwagen und Pferden, der vermutlich noch 600 Jahre älter als die berühmten Terrakotta-Krieger ist. In den meisten anderen Ländern würde der Fund wohl die gesamte Archäologenzunft in helle Aufregung versetzen. Nicht so in China - in dem Riesenreich ist der Friedhof nur eine Entdeckung in einer Reihe spektakulärer Funde.


"Seit den 1980er Jahren erleben wir ein goldenes Zeitalter der Archäologie in China", berichtet Ji Kunzhang, der als Leiter des Archäologischen Forschungsinstituts von Shanxi die Ausgrabung des Friedhofs in Yangshe verantwortete. "Wir bekommen mehr Fördergelder vom Staat, und seitdem gibt es im ganzen Land bedeutende Ausgrabungen." Die Entdeckungen werfen immer mehr Licht auf die Jahrtausende alte chinesische Kultur, die vermutlich älteste der Welt.

In der ostchinesischen Provinz Anhui stießen Forscher beispielsweise in einer Grabstätte auf hunderte Objekte aus Jade, darunter auch auf eine 88 Kilogramm schwere Schwein-Skulptur. Der Fund aus der Jungsteinzeit gilt inzwischen als der älteste dieser Art in China. Bei einer spektakulären Unterwasserausgrabung fanden Forscher vor zwei Jahren im Südchinesischen Meer mehr als 10.000 Porzellanstücke und andere Objekte im Rumpf eines Schiffes, das vor mehr als 700 Jahren dort gesunken war.

Der Friedhof in Yangshe ist die bisher größte entdeckte Grabstätte dieser Art: Allein in einem Grab entdeckten die Archäologen 48 Streitwagen und kunstvoll verzierte Kutschen sowie mindestens 105 Pferde. Sie wurden gemeinsam mit einem der Herrscher des damaligen Staates Jin begraben, der zu Zeiten der Zhou-Dynastie (1120 bis 781 vor Christus) für seine Feldzüge bekannt war.

"Wir nehmen an, dass es sich bei den Wagen und Pferden um seine tatsächliche Kavallerie handelte", sagt Ausgrabungsleiter Ji. Die Pferde seien vermutlich betäubt und lebend begraben worden. Die Forscher fanden Skelette mit hochgereckten Köpfen und gefesselten Beinen.

Großes Museum geplant

Bis zur Freilegung des Friedhofes mit seinen 19 Grabkammern war es ein langer Weg. Nach der Entdeckung der Stätte im Jahr 1992 dauerte es vier Jahre, bis größere Ausgrabungen finanziert wurden. Inzwischen bekommen die Forscher eine finanzielle Unterstützung, von der sie zuvor nicht zu träumen gewagt hätten: Über der Grabstätte wird ab März ein umgerechnet mehr als zehn Millionen Euro teures Museum gebaut, das wie eine Schatzkiste die dort gefundenen Schmuckstücke aus Bronze und Jade beherbergen soll.