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Argentinien schlittert immer tiefer in die Wirtschaftskrise

Von Jan-Uwe Ronneburger, Buenos Aires

Wirtschaft

Die Wirtschaft des hochverschuldeten Argentinien will und will auch nach mehr als zwei Jahren Rezession nicht anspringen. Bis zuletzt hatten Präsident Fernando de la Rua und sein nun zurückgetretener Wirtschaftsminister Jose Luis Machinea immer wieder hoffnungsfroh verkündet, ein Ende der Misere stehe unmittelbar bevor.


Besonders der Ende vergangenen Jahres vereinbarte Beistandskredit über fast 40 Mrd. Dollar (42,7 Mrd. Euro/588 Mrd. Schilling) des Internationalen Währungsfonds (IWF) und anderer Kreditgeber hatte kurzfristig für Euphorie gesorgt. Aber nur bei der Regierung, die große Plakate mit der fast flehentlichen Aufschrift "Vamos Argentina" kleben ließ. Der offizielle Optimismus klingt jedoch zunehmend wie das Pfeifen im dunklen Wald.

Die misstrauischen argentinischen Konsumenten dachten gar nicht daran, mehr auszugeben, sondern wurden im Gegenteil noch sparsamer. Bei 15% Arbeitslosigkeit, Löhnen wie in Osteuropa und Preisen wie in New York kann sich ein wachsender Teil der Bevölkerung ohnehin kaum noch etwas leisten. Einem Bericht des Instituts der solidarischen Kultur zufolge sterben inzwischen durchschnittlich pro Tag zwölf Kinder unter fünf Jahren an den Folgen von Mangelernährung.

Der IWF warnte schon im Februar, das in Regierungskreisen prognostizierte Wirtschaftswachstum von bis zu 5% für dieses Jahr sei illusorisch. Satt dessen werde die Arbeitslosigkeit so hoch wie bisher bleiben. Die Auslandsschulden des Staates würden von 134 Mrd. Dollar Ende 1999 auf 169 Mrd. Ende 2003 anwachsen - 53% des Bruttoinlandsproduktes. Die Zinslast werde parallel von knapp 10 Mrd. Dollar pro Jahr auf 16 Mrd. steigen.

Knapp 15 Monate nach der Wahl hat die Regierung ihren Kredit bei vielen Argentiniern verspielt. Bei der Parlamentswahl im Oktober könnte de la Rua dafür die Rechnung erhalten und seine Mehrheit verlieren. "Das Jahr 2000 war schwierig", räumte er vor kurzem angesichts faktischen Nullwachstums, zahlreicher politischer Skandale und immer wieder aufflackernder sozialer Unruhen ein. Wenn es Machineas Nachfolger nicht gelingt, der Konjunktur endlich aufzuhelfen, könnte sich der Staatschef nach solchen Schwierigkeiten bald zurücksehnen.