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Ärger ist schlechte Werbung

Von Christina Böck

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Nackte Frauenkörper, die wahlweise für Fliesen, Ketchup oder, besonders subtil, Schlagbohrer werben, werden recht zuverlässig zu einer Beschwerde beim Werberat führen. Nun hat selbiger für all jene, die solche Schmach verhindern wollen, eine Fibel veröffentlicht. Also, wenn man einmal naiv davon ausgehen will, dass solche Aufreger unabsichtlich passieren und nicht knallhart kalkuliert werden. In der Fibel steht also, was die Ethik erlaubt und was nicht. Kurz gesagt: Nackte Frau wirbt nur für Unterwäsche oder Cellulitecreme - angezogen wäre das dann doch albern.

Was sich nicht in der Fibel des Österreichischen Werberats befindet, ist eine Spezialität, mit der der deutsche Werberat derzeit beschäftigt ist: ein abgetrennter Finger. Mit einem solchen, verkleidet als Currywurst, macht der Streamingdienst Netflix Werbung für die Zombie-Serie "Santa Clarity Diet". In der bekommt Drew Barrymore Appetit auf Menschenfleisch, was man hier drastisch und mit grenzwertigem Humoranspruch illustrierte. Netflix hat schon damit begonnen, die betreffenden Plakate abzunehmen. Es scheint übrigens gerade ein Monat der missglückten Werbeideen zu sein: So musste sich auch Ikea jüngst entschuldigen, weil der Möbelkonzern alle Frauen aus dem Prospekt, der für eine ultraorthodoxe jüdische Gemeinde in Israel gedacht war, entfernen ließ. Ähnliches hatte der schwedische Riese schon in Saudi-Arabien getan. Immerhin hat man wohl eingesehen, dass die Kundenmenge, die solche Aktionen verärgern, doch etwas größer ist als jene, die man damit gewinnen will.