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Arm in Arm zur Hölle

Von Hans-Paul Nosko

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Meistens schalte ich das Radio kurz vor dem Ö1-"Morgenjournal" ein. Da ist oft ein Priester, eine Sozialwissenschaftlerin oder ein Psychotherapeut am Wort und teilt den Hörern seine oder ihre "Gedanken für den Tag" (6.57 Uhr, Ö1) mit. Der Inhalt ist meist besinnlich, mahnend oder ermunternd, die Rede gleicht einem ruhigen Waldteich oder einem munteren Bächlein.

Diese Woche ist Wendelin Schmidt-Dengler dran. Er hat sich das Schiller-Jahr vorgenommen. Wie ein reißender Gebirgsbach nach der Schnee schmelze kommen seine Sätze daher. Man kennt ihn ja: Er braucht sich nicht warm zu reden, braucht keinen Anlauf; er ist vom ersten Satz an mitten drin und rasant.

Gestern, Dienstag, stieg er ein mit "Arm in Arm mit dir zur Hölle" aus "Kabale und Liebe". Der infame Präsident Walter spricht die Worte zu seinem schurkischen Sekretär Wurm, nachdem beide Walters Sohn Ferdinand und dessen Geliebte Luise in den Tod getrieben haben. Behende spannt Schmidt-Dengler den Bogen zu tyrannischen Systemen "im Großen wie im Kleinen", gelangt alsbald zur Nazi-Diktatur, deren Ende sich eben zum 60. Mal jährt, und verrät uns: "Der Böse will die Höllenfahrt nur in Gesellschaft antreten." Wahrscheinlich eine Anspielung auf den gemeinsamen Tod von Hitler und Eva Braun.

Die Sendezeit ist Schmidt-Dengler zu kurz bemessen, der sanfte Musiktupfer, mit dem die Sendung meist ausklingt, muss entfallen. Welch ein Gegensatz zu anderenTagen.